Mit dem Motorsegler rund um die Adria und über die Alpen
Text Gabriele
Brönner-Garben, Bilder Manfred Garben
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In diesem Jahr wollen wir in den Osterferien
eine längere Tour mit dem Motorsegler, Taifun 17 E, unternehmen: in den
Süden.
Die Idee, nach Korfu zu fliegen, taucht auf. Über Albanien.
Zwei Wochen, bevor es losgehen soll, holt „mein Pilot“ die ersten Wetterprognosen
ein: und von da an ändern sich unsere Pläne eigentlich täglich.
Da in dieser Jahreszeit z. B. an der kroatischen Küste noch mit der Bora
(starken Fallwinden von den Bergen) zu rechnen ist, werden Italien, Frankreich
und auch Spanien als Alternativen zu Griechenland in Betracht gezogen. Manfred
telefoniert, holt Erkundigungen ein, erfährt Positives und Negatives zu
den verschiedenen Zielen.
Das Wetter wird besser: Vielleicht ist es ja doch möglich rund um die Adria
zu kommen? Zu unseren bisher unerfüllten Flugträumen zählen eine
Landung in Venedig-San Nicolo und die Überquerung der Alpen.
Slowenien, Istrien, Ungarn ... alles wird durchdacht. Am Ende packen wir fast
all unsere Karten ein – man kann ja nie wissen.
Am Samstag, den 12.
4. 2003 geht’s los. Unsere erste Etappe von Oehna, (EDBO) unserem Heimatflugplatz
südlich von Berlin, ist Krems in Österreich. Den Flugplan geben wir
am Morgen telefonisch auf. Es ist etwas diesig; wir steigen auf 7500 Fuß.
Über der Inversion haben wir Sonne und gute Sichten.
Der Flug führt über das noch mit wenig Schnee bedeckte Erzgebirge westlich an Prag vorbei mit Kurs 180°. Die tschechischen Fluglotsen lassen uns in dieser Höhe alle Kontrollzonen durchfliegen.
| Parkposition in Krems. |
Sonntag,
der 13. 4. 2003: Die Temperaturen steigen. Ich sitze am Flugplatz in
der Gaststätte und warte. Gelobt werden Zwiebelrostbraten und zum Nachtisch
Topfennockerl auf Erdbeersoße.
Um 11.00 Uhr ist alles vorbereitet: Wetter eingeholt, Flugrouten festgelegt,
Flugplan nach Portorož aufgegeben, Flieger gecheckt, Gepäck verstaut. Von
Krems geht es mit Südkurs auf die Ostalpen zu. Da die Wolkendecke größere
Lücken aufweist, steigen wir auf Flugfläche 75. Wir bekommen die Freigabe
durch die Kontrollzone von Graz direkt zum slowenischen Einflugpunkt RADLY zu
fliegen. Bald jedoch türmen sich vor uns Wolkenberge auf, und sicherheitshalber
gehen wir in Steilkurven unter die Wolkenbasis.
| Anflug auf Portoroz. |
Am späten
Nachmittag des 14. 4. 2003 geht es weiter: Über Pula,
an der Südspitze Istriens, und Cres nach Zadar.
Es zieht uns weiter: Mit Flugplan geht es am 15. 4. 2003 weiter nach Dubrovnik. In 2500 Fuß, entlang der Küste werden wir per Funk weitergereicht. Wir genießen den Flug über die Inseln mit ihren ungewöhnlich hohen Bergen. Kurz vor Dubrovnik weist uns der Fluglotse an, über der Insel Kolocep in Warteposition zu gehen. In großen Schleifen überfliegen wir die Insel, bis ein Linienflieger in gehörigem Abstand an uns vorbeizieht, nun dürfen wir auch zur Landung auf dem Dubrovnik Airport ansetzen. Vorher haben wir einen herrlichen Blick auf die Altstadt.
Am Flughafen
werden wir zu unserem Abstellplatz geleitet, Avgas kommt per LKW und für
uns ein Flughafenbus. Für den nächsten Tag geben wir schon mal den
Flugplan nach Korfu auf. In den Flugplan haben wir mit Hilfe der AIS - Mitarbeiterin
folgende Route eingetragen: LDDU – MOKUN – R 45 TIBRI, R 45 TAZ, W 47 POD, W
33 RETRA, DCT PITAS. RETRA und PITAS sind die albanischen Ein- bzw. Ausflugpunkte.
Sie bittet uns am nächsten Morgen gegen 9:00h nachzufragen, ob die Freigabe
über Albanien und – was oft mehr Schwierigkeiten bereitet - über Montenegro
geklappt hat.
Die Altstadt von Dubrovnik liegt ca. 30 km vom Flugplatz entfernt; Busse fahren
jeweils 15 Minuten nach Ankunft der Linienflieger in die Stadt zum Busbahnhof,
von wo aus sie auch 1 ½ Stunden vor Abflug der Linienmaschinen wieder
abfahren. Kleine Hotels, private Zimmer und Apartments gibt es zahlreiche. Doppelzimmer
ab 200 Kunas (= 30 Euros).
Nun zum kulturellen Teil: Die Altstadt von Dubrovnik wird vollständig von
einer massiven Stadtmauer umgeben, die man zwischen 9 und 19.00 Uhr begehen
kann. Von den nahen Bergen schoß 1991/2 die serbische Armee direkt in
die Stadt hinein. Vieles wurde zerstört. Man erkennt es heute nur noch
an den neu gedeckten Dächern und frisch gepflasterten Straßen und
Gassen. Während man auf dem Weg von und zum Flugplatz noch so manches zerschossene
und eingestürzte Haus sehen kann.
In der Altstadt viele Kneipen, Restaurants, Läden mit langen Öffnungszeiten
und ein Bäcker, der von 0.00 bis 24.00 Uhr frisches Brot verkauft. Fast
alle Menschen, mit denen wir es zu tun hatten, sprachen gut Englisch und manche
auch ein bisschen Deutsch.
Am
Mittwoch den 16. 4. 2003 rufen wir, wie verabredet, um 9.00 Uhr am
Flugplatz an, um zu hören, ob der Flugplan angenommen wurde. Es gibt keine
Rückmeldung. Also gehen wir davon aus, dass alles in Ordnung ist. Noch
Zeit für einen Rundgang durch den Hafen, einen Milchkaffee und um Ausschau
nach günstigen Schuhen zu halten.
Abflugzeit: 15.00 LT. Ich bin gespannt. Als wir schon zur holding-position gerollt
sind, informiert uns der Tower, dass unser Flugplan noch nicht genehmigt ist.
Wir warten. Nach 10 langen Minuten kommt endlich das o.k..
Nach dem Start werden wir angewiesen auf 9000 Fuß zu steigen; wir fragen,
ob es wegen der niedrigeren Wolkenuntergrenzen auch in 3000 Fuß entlang
der Küstenlinien geht - und es geht. Über Funk erhalten wir alle notwendigen
Informationen. Eigentlich ein Flug wie jeder andere, ohne Probleme.
Tiefpunkte
gab und gibt es auf jeder unserer Reisen. Im letzten Jahr hieß er Emmabodda
in Schweden – dieses Jahr heißt er Pescara.
Es ist Ostersonntag. Wir finden kein Hotel, was uns zusagt, und es beginnt zu
regnen. Wir rufen in Berlin an; aber „unsere“ Meterologen vertrösten uns
auf übermorgen. Nach einer Übernachtung in einem schlechten Hotel
nehmen wir eiligst den Bus nach Chieti, einer kleiner Stadt in den Abbruzzen,
eine knappe Stunde Busfahrt von Pescara entfernt. Hier wollen wir in Ruhe die
nahende Kaltfront abwarten. Am Busbahnhof kaufen wir noch zwei Zeitungen, um
wieder auf dem Laufenden zu sein.
Chieti: 3000 Jahre alt, Kirchen, kleine Plätze, eine sehr italienische
Atmosphäre, wenige Touristen, keine Speisekarte auf deutsch oder englisch.
Nach intensivem Suchen finden wir am Abend zur Feier des Ostermontags ein kleines
Restaurant! Das Essen ist ein Gedicht, nicht zu beschreiben – hier die Adresse:
EPISCOPIO, Via Arniense 159, Chieti. (Achtung: 4 Tische, 16 Plätze!)
Nun zum letzten Teil unserer Reise. Von Pescara starten wir am Dienstag, den 22. 4. 2003 nach Venedig. Wiederum die italienische Küste hinauf in gewohnter Weise. Das Wetter wieder hervorragend: Sichten bis 30 km, blauer Himmel, wenige Wolken und ein gleichmäßiger Wind mit 20 Knoten, allerdings von vorn. Nach gut einer Stunde kommt das Po-Delta in Sicht, eine große Wasserfläche mit einzelnen Inseln, die für Fisch- und Landwirtschaft intensiv genutzt werden.
| Blick auf die Hauptinsel von Venedig. |
| Anflug auf Venedig-San Nicolo. |
Am nächsten
Tag, 23. 4. 2003, steigen wird in der Nähe des alten Marinestützpunktes
aus und laufen durch die Gassen. Wir schauen uns ein Franziskanerkloster an
und hören der Probe des Organisten zu, besichtigen einen der prächtigen
Palazzo, genießen die Sonne und die Spezialitäten Venedigs.
Am frühen Abend rufen wir die Berliner Flugwetterberatung an und bekommen
die Prognose für den nächsten Tag: CAVOC. Wir beschließen den
Rückflug über die Alpen.
Am Donnerstag,
den 24. 4. 2003, geht es früh los. Die Formalitäten sind
schnell erledigt, auf den Tankwart müssen wir noch ein wenig warten.
8.00 Uhr UTC Start zum Flug über die Alpen. Das Wetter könnte besser
nicht sein. Zig-Mal haben wir uns danach erkundigt.
| Warten auf den Tankwart in San Nicolo. |
Nach dem Start überblicken wir in einer großen Rechtskurve den Lido, die Lagune, Venedig. Welch eine privilegierte Sicht!
| Blick auf die Alpen westlich von Bozen. |
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