Erste Eindrücke der Valentin Taifun 17E
Erstflug wie aus dem BilderbuchArtikel so wie erschienen im Aerkorurier Heft 4/1981
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Es ist erst etwas mehr als ein Jahr her, als in der Januar Ausgabe 1980 des aerokurier der Bericht über das Valentin Taifun-Projekt in der Segelfliegerwelt für Aufsehen sorgte. Bislang war die Firma Valentin im Flugzeugbau noch nicht hervorgetreten und nur wenige kannten sie aus ihrer Tätigkeit im Maschinenbau. Doch was sich da auf dem Papier unter der Überschrift „Neue Motorsegler und Leichtflugzeuge in GfK" ankündigte, ließ aufhorchen. Und nun, 15 Monate' später, ist es bereits so weit: Die Valentin Taifun 17 E fliegt. Damit ist nun auch der vierte neue deutsche GfK-Motorsegler mit nebeneinanderliegenden Sitzen in der Flugerprobung. Erstmals öffentlich gezeigt wurde die Taifun 17 E auf der RMF in Friedrichshafen, wo sie zeitweilig so umlagert war, daß nur noch das Leitwerk aus den sich herumscharenden Interessenten herausragte. Verständlich, daß Thomas Fischer von der Firma Valentin am Ende der RMF seine Eindrücke nur noch in einem einzigen Satz zusammenfassen konnte: „Für uns war diese Messe ein Bomben-Erfolg“.
Gut Ding will Weile haben: Am 28.
Februar gegen 11 Uhr erhob sich die
Valentin Taifun 17 E zu ihrem Jungfernflug in die Luft. Erwin Frey landet
nach etwa einer halben Stunde und
meint trocken: "Sie fliegt, wie wir uns
das vorgestellt haben". Und einige
Vorstellungen hatte man schon. als
das vom Konzept bislang anspruchsvollste aller neuen GfK-Motorsegler
Projekte am 1. April 1979 in Angriff
genommen wurde. Ernst Valentin, "Vater" des Gedankens, hatte eine
hervorragende Truppe um sich versammelt. Thomas Fischer und Jörg
Stieber, beides "Alte Herren" der Aka-flieg München und Insidern bekannt als
Konstrukteure des bislang technisch
aufwendigsten Segelflugzeuges, der
Mü 27, sowie Hannes Lucas, der später zum Team dazustíeß. Das ziel war
ein doppelsitziger Motorsegler mit Sitzen nebeneinander, Dreibein-Einziehfahrwerk, wahlweise 17 m- oder 15 m-
Spannweite, Wölbklappen, Anklappflächen - und Platz für zwei Personen
im Größenintervall von 150 und 200
cm, die zudem mehr als nur eine Zahnbürste als Gepäck mitnehmen können sollten. Dazu sollte dieser ehrgeizige
Flieger nicht schlechter als 1 :30 gleiten
können, eine Reisegeschwindigkeit
von über 200 km/h haben und gar 1600
km mit einer Tankfüllung fliegen können. Um in den einschlägigen Gewichtsgrenzen zu bleiben, sollte die
Taifun tunlichst nicht über 520 kg wiegen. Kurzum ein last utopisch scheinender Katalog an Forderungen, der
wohl kaum zu verwirklichen sein würde, so glaubte man jedenfalls, bis . . .
ja bis die Taifun zum ersten Mal flog.
Den ehrgeizigen Ansprüchen auf der
einen Seite stand nach innen eine Art
Zweckpessimismus gegenüber. Jörg
Stieber unterstützte mich jederzeit
nach Kräften in meiner Meinung - für
mich ist er einer der größten
(Zweck?-)Pessimisten unter den Flugzeugbauern.
Oder einer von denen, mit denen man
lieber nicht pokern sollte . . .
Doch zurück zur Taifun: Der Flieger
läßt sich ohne Mühe mit zwei Fingern
fliegen. Der Einsatz der Wälzlager hat
sich also gelohnt, es gibt keinerlei Reibungswiderstände.
Natürlich konnte ich von diesem Flug
keine echten Meßergebnisse mitbringen. Die Taifun ist außerordentlich rollwendig, fliegt in jeder Konfiguration
allein, lediglich der Trimmbereich des
Flettnerruders sollte in Richtung "schwanzlastig" noch etwas mehr "drin" haben. Leider geht es nun zurück in Richtung Platz - andere woIlen
auch noch fliegen. Das Ausfahren des
Fahrwerkes geht einfacher als das
Einfahren - aber auch hier müssen die Hebelkräfte noch geändert werden.
Ebenfalls erfordert das Ausfahren der
Wölbklappen auf +40 Grad zuviel
Kraft. Aber wenn dann Wölbklappen
und Bremsklappen ausgefahren sind,
geht es bei 90 km/h mit satten 5 m/s zur
Erde zurück. Die Mindestgeschwindigkeit, die wir mit etwa angezeigten 65
km/h erflogen haben, läßt eine Anfluggeschwindigkeit zwischen 80 bis 90
km/h korrekt erscheinen. Hier zahlt
sich das C-amax von 1,7 deutlich aus. Die
Landung ist problemlos, die Zentralbremse bringt bei etwas zuviel ziehen
die Reifen zum Pfeiffen und den Piloten in die Gurte. Die Taifun dreht durch
die Bugradsteuerung fast auf der Stelle. Und ich steige aus einem Flugzeug
aus, das nur wenige Stunden Flugzeit
hinter sich hat und fliegt, als hätte es
niemals etwas anderes getan.
Erstmals vorgestellt wurde das Konzept der Valentin Taifun im aerokurier 1/80 sowie ergänzend hierzu in der
August-Ausgabe vergangenen Jahres.
Es sei daher nur noch einmal auf die wichtigsten Merkmale des Konzepts
erinnert.
Als GfK-Motorsegler sollte die Taifun
deutliche Leistungssteigerungen im
Vergleich zu Flugzeugen konventioneller Bauweise bringen. Dies gilt sowohl für den motorgetriebenen wie
auch für den motorlosen Flug. Um die
Spannweitentrage nicht zur Glaubensfrage werden zu lassen, entschloß man
sich, die Taifun wahlweise in einer 15-m- und einer 17-m-Version anzubieten. Zur leichteren Hangarierung erhielt die Taifun Klappflächen, die eine
Betätigung durch eine einzelne Person
ermöglichen. Um die aerodynamische
Qualität nicht durch den Widerstand des Fahrwerks zu verschenken, entschloß man sich bei Valentin zur aufwendigen Konstruktion eines Drei-Bein-Einziehfahrwerks, wie es ansonsten nur bei Motorflugzeugen der oberen Mittelklasse zu finden ist. Wahlweise kann jedoch die Taifun auch mit
einem festen Zwei-Bein-Fahrwerk geordert werden.
Ausgelegt ist die Taifun für ein Leergewicht von 490 kg, tatsächlich wiegt der
Prototyp 520 kg. Die 30 kg Mehrgewicht dürften jedoch noch abzuspekken sein!
Valentin Taifun im Datenspiegel
- Michael Schultz -
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