Das Wettrennen um den Markt der neuen GfK-Motorsegler ist voll entbrannt. Neben zwei etablierten Firmen, dem Scheibe und dem Grob Flugzeugbau haben sich zwei Newcomer, nämlich Valentin und die Wolf Hoffmann/IDI-Aviation in das Rennen um Marktanteile gesturzt. Nachdem die Grob G-109 (Pilot Report siehe aerokurier 5/80 S. 620) bereits am weitesten fortgeschritten ist, konnte inzwischen auch die Scheibe SF 36 ihren Erstflug zur vollen Zufriedenheit absolvieren. Als Nummer drei ist nun der Erstflug der Valentin Taifun (siehe aerokurier 1/80 S. 64) zu erwarten. Eigentlich hätte der Erstflug bereits im vergangenen Juli stattfinden sollen, doch dieser Termin war nicht zu halten. Als neues Datum wurde dem aerokurier gegenüber „noch vor Ende August“ genannt.
Als sich zur Jahreswende 79/80 der „Valentin Flugzeugbau“ - offiziell als
Valentin GmbH Geräte- und Maschinenbau firmierend - etablierte, glaubte niemand so recht an eine rasche
Verwirklichung des von Thomas Fischer entwickelten, ehrgeizigen Motorsegler-Konzepts: GfK-Bauweise, nebeneinander liegende Sitze, Flügel in
Tiefdeckeranordnung. Soweit so gut.
Aber dann: Spannweite wahlweise 15
m oder 17 m; Wölbkleppen zur Verbesserung der Langsamflugeigenschaften
bei kleiner Streckung, wahlweise starres oder Einziehfahrwerk, Reiseleistung über 200 km/h mit 80 PS-Limbach-Motor, Beiklappflügel für leichtere, platzsparende Hangarierung. „Das
soll er uns erst einmal vormachen“,
meinten die Konkurrenten spitz und ungläubig und verwiesen zu recht darauf, daß ein doppelsitziger GfK-Motorsegler schon ohne eine deraıt anspruchsvolle Zielsetzung bereits
schwer genug zu verwirklichen sei. Bei
Valentin hingegen zeigte man sich zuversichtlich. Thomas Fischer: „In der
15-m-Version stellt die Taifun ein
schnelles und dabei trotzdem sehr
sparsames Reise- und Schulflugzeug
dar, dessen Segelflugleistungen unseres Erachtens die Segelflieger nicht
enttäuschen werden; dessen Sparsamkeit ím Betrieb, besonders heute in
einer Zeit explodierender Flugbenzin
preise aber auch für Motorflieger sehr
interessant sein dürfte. Die wartungsfreie Zelle, an der es keine Korrosionsprobleme gibt, trägt sicherlich ebenfalls dazu bei, die Taifun zu einem im
Betrieb kostengünstigen Flugzeug zu
machen. Die 17-m-Version der Taifun
eröffnet durch gute Segelflugleistungen darüber hinaus die Möglichkeit,
Streckensegelflüge ohne Startmannschaft und Außenlanderisiko bei hohem Doppelsitzerkomfort durchzuführen und die Segelflugschulung durch
unproblematische Streckenflugeinweisungen zu erleichtern."
Bei diesen hochgesetzten Zielen, die
ein technisch ausgereiftes, jedoch sicherlich nicht einfach zu veıwirklichendes Konzept erfordern. ist Skepsis zunächst nicht unangebracht. Wie so oft,
steckt der Teufel ja im Detail, und Probleme zeigen sich häufig erst vor Ort, also in der Fertigung. „Mit dem Erstflug rechnen wir im Juli
1980“, meinte Thomas Fischer noch
zur Jahreswende. Wir wollten es genau wissen und schauten uns im Juni
1980 in der Fertigungshalle der Firma
Valentin-Flugzeugbau um, wo der Prototyp der Taifun sich im fortgeschrittenen Baustadium befand.
Um es den ungeduldig wartenden Interessenten gleich vorweg zu sagen, der Juli-Termin für den Erstflug kann
getrost gestrichen werden. Allerdings arbeitet man bei Valentin konzentriert
und zielstrebig, und um die Termine
macht man sich konkret Gedanken.
Immerhin hat Valentin nunmehr einen dritten erfahrenen Konstrukteur speziell für die Entwicklung der Taifun
eingestellt; Anfang August sollen die
Bruchversuche an der Tragfläche
durchgeführt werden danach, so hofft
man, soll der Bau des Prototyps so
rasch fortschreiten, daß mit dem Erstflug - so Thomas Fischer - noch vor Ende August zu rechnen ist.

Prototypenbau und Serienvorberetung werden bei Valentin parallel
vorangetrieben
Unser Bild: Arbeiten an den Formen für den Rumpf
Interessant ist der Termin des Bruchversuchs. Hier scheint sich ein neues
Konzept in der Entwicklung eines GfK-Flugzeugs
anzubahnen. Der „normale“ Weg ist, zunächst einmal den Prototyp in die Luft zu bringen, dann sieht
man, was paßt und was geändert werden muß. und schließlich finden im
Rahmen des Musterzulassungsverfahrens auch die Festigkeitsversuche
statt. Valentins Konstrukteur beschreiten den umgekehrten Weg Parallel zur Entwicklung des Prototypen
werden komplette Schweißvorrichtungen und Formen für den Serienbau
erstellt, die Festigkeitsnachweise werden abgeschlossen sein, wenn der
Prototyp, der dann praktisch aus den
Serienformen kommt, fliegt. Bei allen
nicht zu unterschätzenden Risiken, die
in einem solchen Verfahren stecken,
wird jedoch eines offenbar: Die „tote
Zeit“, die gewöhnlich zwischen dem
Erstflug des Prototyps und der endgültigen Musterzulassung entsteht wird
aller Voraussicht nach verkürzt, sofern
alles klappt. Mit der Serienfertigung
kann dann schon fast im fließenden Übergang begonnen werden.
Fertigungskapazitäten liegen also
nicht brach. Es zeugt für das Vertrauen
der Firma Valentin in ihr Konzept und
das Know-how ihrer Konstrukteure,
daß man einen solchen „Kopfsprung in
die Serie wagt“.
Den gegenwärtigen Stand (Ende Juni)
der Entwicklung umreißt Thomas Fischer wie folgt: „Anfang Juli war der
Formenbau weitgehend abgeschlossen. Termin des Bruchversuches 30. 7.
80. Der endgültigen Fertigstellung der
Serienformen steht damit nichts mehr
im Wege. Die Bauweisenversuche zur
Optimierung der Fertigung und Gewichtsreduzierung sind im wesentlichen ebenfalls abgeschlossen. Die
Rowingmaschine - gleich für KfK ausgelegt - und die Setzvorrichtung für
das Höhenruder sind fertiggestellt.
Die durch die umfangreichen Konstruktionsarbeiten benötigte Zeit hoft
Thomas Fischer durch die Möglichkeit
des nahtlosen Übergangs vom Prototypen - zum Serienflugzeugbau kompensieren zu können. Er ist sich sicher
daß sein Konzept stimmt und die Rechnung aufgeht. „Die konstruktiven Probleme sind gelöst, die Fertigung liegt in
den Händen eines erfahrenen Team:
da sehe ich keine Schwierigkeiten
meint Thomas Fischer zuversichtlich.
Firmenchef Valentin: „Wir sind optimistisch, die ersten Serienflugzeug
noch in diesem Jahr ausliefern zu können.“ - Man darf also gespannt sein.
B.M.
Aerokurier 8/1980
Artikel reproduziert mit freundlicher Genehmigung des aerokurier / G. Marzinzik.
Von pdf auf html umgesetzt von webmaster Leo.
|