Ein Traum von Flugzeug – made in Haßfurt
Erschienen in Neue Presse Coburg am 2.09.2008

Von Manfred Wagner

Haßfurt – Was haben der junge schwedische Ingenieur Daniel Petterson, die fröhlich dreinblickende Ursel Westphal aus Lübeck und der 85-jährige rüstige Rentner Hartwig Karras aus dem saarländischen Merzig gemeinsam? Alle drei sind Besitzer und Piloten eines Motorseglers „Taifun“. Zusammen mit rund 40 Gleichgesinnten – alle angereist mit ihrem Taifun-Flugzeug – trafen sie sich am Wochenende bei bestem Fliegerwetter zu einem Stelldichein in Haßfurt.


Ursel Westphal aus Lübeck war die einzige Pilotin bei dem Treffen der Fliegergemeinschaft am Wochenende in Haßfurt. Sie hat ihren Taifun schon 1984 frisch aus der Fertigungshalle gekauft und ist auch nach über 20 Jahren und 2800 Flugstunden hoch zufrieden mit ihrem Vogel. An ihrer Seite steht Copilot und Monteur Sigmund Herberich.
Bild: Manfred Wagner


Die Organisatoren Manfred Garben aus Berlin und Henk Dumont aus Holland hatten sich die unterfränkische Kreisstadt als Treffpunkt nicht zufällig ausgesucht. Vielmehr wurden hier, in einer Halle neben dem Verkehrslandeplatz, zwischen 1982 und 1989 alle Taifun-Flugzeuge gebaut. Insgesamt genau 136. Dann stellte die Firma „Valentin GmbH“ die Produktion ein und das gesamte know-how wurde an eine Firma der Dornier-Gruppe verkauft. Die hat das Konzept allerdings nicht weiterverfolgt und so endete die Taifun-Aera da, wo sie begonnen hatte: in Haßfurt.

Landrat Rudolf Handwerker begrüßte freudestrahlend den kleinen, aber feinen Fliegerclub an der Geburtsstätte der immerhin gut 800 Kilo schweren „Vögel“. Immerhin fiel der Bau des zweisitzigen Reisemotorseglers in Kunststoffbauweise in seine Amtszeit als Bürgermeister der Kreisstadt. So sei eine kleine Episode Fliegergeschichte in den Haßbergen geschrieben worden.

Auf dem Höhepunkt der Fertigung, erläuterte der ehemalige Betriebsleiter Ernst Friedrich bei einer kleinen Führung durch die damalige Fertigungshalle, wurde alle 14 Tage ein neuer Flieger ausgeliefert und rund 50 Personen fanden hier Brot und Arbeit. Nicht nur in Europa fanden die ausgereiften Maschinen Abnehmer, ein Teil sei in die USA exportiert worden, informiert der Techniker. Deshalb weiß heute niemand ganz genau, wie viele Taifuns noch durch die Lüfte schweben. Zwischen 120 und 130, lauten die Schätzungen der Fliegerkapitäne.

Das Einziehfahrwerk, die Wölb- und Bremsklappen auf der Flügeloberseite sowie die anklappbaren Flügel machen den Taifun zum Mercedes unter den Motorseglern, schwärmte der Pilot Wolfgang Essig aus Dietzingen bei Stuttgart. Obwohl der schöne, aerodynamisch wohlgeformte 90 PS starke Vogel in etwa 600 Meter Höhe rund 200 km/h schnell fliegt, verbraucht er nur gut zehn Liter pro Flugstunde – wobei der Motor sogar Autobenzin schluckt. Und wenn die Wetterbedingungen passen, kann man den Motor abstellen und frei durch die Luft segeln.

Für die flugbegeisterten Freunde des Taifun jedenfalls ist ihr Motorsegler ein Traum von einem Flugzeug. Abseits vom boomenden Trend der Ultraleichtflugzeuge fühlen sie sich wie die Könige der Lüfte. In ihrem einzigartigen Flugzeug – made in Haßfurt.

 

Artikel so wie veröffentlicht in der Neue Presse Coburg am 2.09.2008 mit freundlicher Genehmigung vom Autor

 



home
 ©2006-2008 powerglidertaifun.de