Mit der Valentin Taifun 17E von Los Angeles nach Hamburg

Neues Michael-Schultz-Projekt

Artikel so wie erschienen im Aerkorurier Heft 8/1981



„Mit dem Motorsegler über den Atlantik“ - ein Unternehmen, das aufhorchen läßt. wenn es auch keine Weltpremiere ist. Michael Schultz, Vielflieger und Autor vieler aerokurier-Beiträge, hatte Anfang Juni zu einem Pressegespräch nach Baden-Baden geladen, und was dort zu erfahren war, schien sich dann doch zu einer Weltpremiere zu mausern.

 


Der Prototyp der Valentin Taifun 17 E, mit dem Michael Schultz vor der genannten Atlantik-Überquerung erst einen Trip von Los Angeles aus quer durch die USA zu den Großen Seen unternehmen will, wird wohl vor allem beim EAA-Treffen in Oshkosh die Aufmerksamkeit der fliegerisch Interessierten Amerikaner finden. In den USA ist die Flugzeugkategorie Motorsegler
immer noch nahezu unbekannt. und es soll einer der wichtigsten Aspekte dieses Unternehmens sein, die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit dieser Leichtflugzeug-Klasse augenfällig zu
demonstrieren. Die guten Flugeigenschaften sowie die Wirtschaftlichkeit und die Einsatzmöglichkeiten lassen Marktchancen in den USA nicht als Utopie erscheinen.



Nach der Vorführung in Oshkosh bei den amerikanischen Amateur-Flugbauern will Michael Schultz mit der Taifun auf der bewährten Route über Frobisherbay von Kanada aus nach Grönland fliegen und von dort über Island nach Norwegen (siehe Karte). Das Endziel heißt Hamburg, die Heimatstadt des Piloten.
Dieser Flug ist für Michael Schultz, wenn auch in umgekehrter Richtung,
nichts Neues. Er flog im vergangenen Jahr mit seiner RF5 von Hamburg nach Oshkosh (siehe auch aerokurier 10/80 Seite 1278), wo ihm für seine Leistung ein begeisterter Empfang zuteil wurde.
Ein weiterer interessanter Aspekt dieses Untrnehmens von amerikanischem Boden aus ist die Tatsache. daß dabei ein „rein deutsches" Flugzeug verwendet wird: Zelle (Valentin). Motor
(Limbach) und Avionik (Becker Flugfunk) sind aus deutscher Herstellung, und damit die Finanzen für die Realisierung dieses nicht gerade billigen Projekts stimmen, hat sich die Bremer Brinkmann AG mit einer neuen Zigarettenmarke für diesen Flug stark gemacht, und nicht zuletzt sitzt noch ein deutscher Pilot im Cockpit.


Auch im Avionik-Bereich für den Trip über das "große Wasser " bestens gerüstet:
das Taifun Pannel das von Becker-Flugfunk ausgestattet wurde


Die Reise in die Neue Welt begann für den GfK-Motorsegler im Bauch einer Lufthansa-747-Combi, die ihn mit "angelegten Ohren" an die amerikanische Westküste brachte. Vorher noch war
allerdings ein schönes Stück Arbeit notwendig, um die Taifun und ihren Piloten für das Unternehmen zu rüsten. Zusätzlich zur üblichen Standard-Ausrüstung des ohnehin gut bestückten
Motorseglers erhielt die Taifun ein VHF-Sprechfunkgerät der Kategorie I mit über 10 Watt Sendeleistung, ein VOR/ILS-Empfänger, ein ADF und selbstverständlich einen Transponder.


Am Vorabend der Abreise in die USA: Bernard Valentin bei der Taufe der Taifun.
Auf der Tragfläche und am Boden ein Teil der Ausrüstung, der noch im Flieger passen muß.



Der für die Überführung notwendige Zusatztank mit 120 Liter Fassungsvermögen steigert das Tankvolumen auf insgesamt 210 Liter. Dies wiederum entspricht einer Reichweite von 3000
km. Das maximale Abfluggewicht des Taifun-Prototypen D-KONO liegt bei 950 kg.
Zur Notausrüstung gehören die bei solchen Unternehmungen üblichen Gegenstände: Rettungsinsel mit Notsender. dazu Proviant, der 16 000 Kalorien bereithält, Kälteschutzanzug, Zelt, Messer und Angelhaken. Ein Gewehr ist zwar in Deutschland als Notausrüstung für Flieger nicht zugelassen, ist aber über kanadischem Boden zwingend vorgeschrieben. Natürlich sind alle erforderlichen "Kleinigkeiten" an Bord, denen allerdings jeder für sich eine nicht unwesentliche Bedeutung
während des Ablaufs eines solchen Fluges zukommen kann.
Für diesen Flug über die Nordroute hat Michael Schultz 14 Tage angesetzt, in Abhängigkeit vom Wetter, versteht sich. Bei günstigen Bedingungen können sogar "so ganz nebenbei" ein paar Rekorde in die FAI-Listen eingetragen
werden.

- J.J. -
Aerokurier 8/1981



Artikel reproduziert mit freundlicher Genehmigung des aerokurier / G. Marzinzik.
Von pdf auf Text umgesetzt von webmaster Leo.

 

 


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