„Mit dem Motorsegler über den Atlantik“ - ein Unternehmen, das aufhorchen läßt. wenn es auch keine
Weltpremiere ist. Michael Schultz,
Vielflieger und Autor vieler aerokurier-Beiträge, hatte Anfang Juni
zu einem Pressegespräch nach Baden-Baden geladen, und was dort zu
erfahren war, schien sich dann doch
zu einer Weltpremiere zu mausern.
Der Prototyp der Valentin Taifun 17 E,
mit dem Michael Schultz vor der genannten Atlantik-Überquerung erst
einen Trip von Los Angeles aus quer
durch die USA zu den Großen Seen
unternehmen will, wird wohl vor allem
beim EAA-Treffen in Oshkosh die Aufmerksamkeit der fliegerisch Interessierten Amerikaner finden. In den USA
ist die Flugzeugkategorie Motorsegler
immer noch nahezu unbekannt. und es
soll einer der wichtigsten Aspekte dieses Unternehmens sein, die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit dieser
Leichtflugzeug-Klasse augenfällig zu
demonstrieren. Die guten Flugeigenschaften sowie die Wirtschaftlichkeit
und die Einsatzmöglichkeiten lassen
Marktchancen in den USA nicht als
Utopie erscheinen.

Nach der Vorführung in Oshkosh bei
den amerikanischen Amateur-Flugbauern will Michael Schultz mit
der Taifun auf der bewährten Route über Frobisherbay von Kanada aus
nach Grönland fliegen und von dort über Island nach Norwegen (siehe Karte). Das Endziel heißt Hamburg, die Heimatstadt des Piloten.
Dieser Flug ist für Michael Schultz,
wenn auch in umgekehrter Richtung,
nichts Neues. Er flog im vergangenen
Jahr mit seiner RF5 von Hamburg nach
Oshkosh (siehe auch aerokurier 10/80
Seite 1278), wo ihm für seine Leistung
ein begeisterter Empfang zuteil wurde.
Ein weiterer interessanter Aspekt dieses Untrnehmens von amerikanischem Boden aus ist die Tatsache. daß
dabei ein „rein deutsches" Flugzeug
verwendet wird: Zelle (Valentin). Motor
(Limbach) und Avionik (Becker Flugfunk) sind aus deutscher Herstellung,
und damit die Finanzen für die Realisierung dieses nicht gerade billigen
Projekts stimmen, hat sich die Bremer
Brinkmann AG mit einer neuen Zigarettenmarke für diesen Flug stark gemacht, und nicht zuletzt sitzt noch ein
deutscher Pilot im Cockpit.

Auch im Avionik-Bereich für den Trip über das "große Wasser " bestens gerüstet:
das Taifun Pannel das von Becker-Flugfunk ausgestattet wurde
Die Reise in die Neue Welt begann für
den GfK-Motorsegler im Bauch einer
Lufthansa-747-Combi, die ihn mit "angelegten Ohren" an die amerikanische
Westküste brachte. Vorher noch war
allerdings ein schönes Stück Arbeit
notwendig, um die Taifun und ihren
Piloten für das Unternehmen zu rüsten.
Zusätzlich zur üblichen Standard-Ausrüstung des ohnehin gut bestückten Motorseglers erhielt die Taifun ein
VHF-Sprechfunkgerät der Kategorie I
mit über 10 Watt Sendeleistung, ein
VOR/ILS-Empfänger, ein ADF und
selbstverständlich einen Transponder.

Am Vorabend der Abreise in die USA: Bernard Valentin bei der Taufe der Taifun.
Auf der Tragfläche und am Boden ein Teil der Ausrüstung, der noch im Flieger passen muß.
Der für die Überführung notwendige
Zusatztank mit 120 Liter Fassungsvermögen steigert das Tankvolumen auf
insgesamt 210 Liter. Dies wiederum
entspricht einer Reichweite von 3000
km. Das maximale Abfluggewicht des Taifun-Prototypen D-KONO liegt bei 950 kg.
Zur Notausrüstung gehören die bei solchen Unternehmungen üblichen Gegenstände: Rettungsinsel mit Notsender. dazu Proviant, der 16 000 Kalorien
bereithält, Kälteschutzanzug, Zelt,
Messer und Angelhaken. Ein Gewehr
ist zwar in Deutschland als Notausrüstung für Flieger nicht zugelassen, ist
aber über kanadischem Boden zwingend vorgeschrieben. Natürlich sind
alle erforderlichen "Kleinigkeiten" an
Bord, denen allerdings jeder für sich
eine nicht unwesentliche Bedeutung
während des Ablaufs eines solchen
Fluges zukommen kann.
Für diesen Flug über die Nordroute hat
Michael Schultz 14 Tage angesetzt, in
Abhängigkeit vom Wetter, versteht
sich. Bei günstigen Bedingungen können sogar "so ganz nebenbei" ein paar
Rekorde in die FAI-Listen eingetragen
werden.
- J.J. -
Aerokurier 8/1981
Artikel reproduziert mit freundlicher Genehmigung des aerokurier / G. Marzinzik.
Von pdf auf Text umgesetzt von webmaster Leo.
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