Flug nach Lapalisse vom 05.-07.09.2003

Fliegertreffen des Club Fournier International (CFI)

Text Christian Müssemeyer
Bilder Henk Dumont


Click here for an english language version of this article

Die Bilder lassen sich durch Anklicken vergrössern, zurück geht's mit Klick auf das gleichnamige Icon in der Browserleiste.

Der Club Fournier International (CFI) hatte in sept. 2003 zu seinem jährlichen Treffen in Lapalisse, nördlich von Clermont Ferand, geladen. Vier Mitglieder des Aeroclub 77 sowie Henk und Elly Dumont – der fliegende Holländer – mit seiner Taifun nahmen an diesem Treffen teil. Hier der Bericht von Christian Müssemeyer:

Wir hatten uns schon früh um 9.00 Uhr auf dem Flugplatz in Mönchengladbach getroffen, weil wir so früh wie möglich losfliegen wollten, denn das Wetter sollte schlechter werden. Die Wettervorhersage für Frankreich war nicht so gut, es sollte regnen, aber die Sichten waren gut genug, um bis in die Auvergne zu fliegen. Ich hatte mich mit Henk Dumont, der seine Taifun (D-KFDI) auf dem Militärflugplatz von Geilenkirchen stationiert hat, telefonisch verabredet, Henk sollte nach telefonischem Rückruf starten und wir wollten uns in der Luft treffen, dadurch spart man sehr viel Zeit.

Wir starteten um 9.40 Uhr in Mönchengladbach, wir, das sind Karla Philipp und Christian Müssemeyer in der Grob G-109b (D-KEOI) und Uwe und Hans Wirtz in der Katana (D-EZIC).

Nachdem wir die Kontrollzone von Mönchengladbach über Golf verlassen hatten, schalteten wir um auf eine Quasselfrequenz, die wir zuvor mit Uwe und Henk vereinbart hatten. Henk hielt sich in der Nähe des Flugplatzes Aachen-Merzbrück auf, er flog zwischen dem Kraftwerk Weisweiler und Aachen-Merzbrück, wir konnten uns in der Luft über Funk zusammen finden.

In Formation nach Lapalisse.

Wir flogen zusammen die gesamte Strecke in einer Dreierformation bis nach Lapalisse. Hinter Aachen überquerten wir die Grenze nach Belgien, meldeten uns bei Brüssel Information, flogen an Spa vorbei über die Ardennen Richtung VOR Montmedi (MMN), davor überquerten wir die Grenze nach Frankreich. Hier meldeten wir uns bei Reims-Information, die uns dann betreuten. Wir hatten keine Probleme durch Kontrollzonen zu fliegen, die Freigaben erhielten wir prompt. So überflogen wir den Flughafen von St. Dizier, rechts von uns tauchten die riesigen Wasserflächen des Lac du Chantecog auf. Die Landschaft unter uns wechselte sich ab, mit riesigen Feldern kleinen Wäldern und hin und wieder mal ein kleiner Fluss, der durch die Landschaft mäanderte, einfach schön.

Da das Wetter sich deutlich verschlechterte, fragte ich in Paris-Information nach den Wetterverhältnissen in Lapalisse. In Lapalisse sei eine Sicht von etwa 10 km, dieses reichte aus, um weiter zu fliegen.

Das Wetter wird schlechter und schlechter.

Es setzte ein immer stärkerer werdender Regen ein, der vor allen Dingen Henk Dumont, der uns sonst mit seiner schnellen Taifun immer antreibt schneller zu fliegen, zurückwarf. Die Taifun ist gegen Regen sehr empfindlich und wird dann spürbar langsamer. Nunmehr musste er betteln, dass wir nicht so schnell flogen, was für ihn ungewohnt war. In dem teilweise sehr starken Regen kam er über eine Geschwindigkeit von 140 km nicht hinaus.

Wir waren froh, ein GPS an Bord zu haben, dieses erleichterte die Navigation ungemein und gibt einem eine grosse Sicherheit. In der hügligen und sehr grünen Auvergne ist die Navigation schwierig, da es keine Leitlinien bzw. Auffanglinien gibt und gössere Städte auch sehr rar sind. Man findet dort nur Wiesen, Bäume, kleine Strassen und lachende Kühe, die die Milch für den Käse „La vache qui rie“ geben. In dem Regen konnten wir noch ausreichend sehen, wir flogen in einer Höhe ca. 1.000 ft über Grund und waren froh, dass uns das GPS anzeigte, wo wir hin mussten und wie lange wir noch brauchten. Das macht das Fliegen stressfrei.

Kurz vor Lapalisse – nach 3h 45 Min. Flugzeit - nahmen wir Funkkontakt auf, jedoch antwortete keiner. Wie in Frankreich üblich, landet man einfach selbständig, ohne Flugleiter. (Das geht!) Man meldet sich in der Platzrunde und gibt jeden Teil der Platzrunde, in der man sich befindet, über Funk durch, solche Autoinformation klappt gut. (Schade dass man in Deutschland noch nicht so weit ist)

Die örtlichen Mitglieder des Clubs organisierten gleich nach unserer Ankunft ein Essen für uns. Am Abend kamen noch weitere Mitglieder des CFI - zum größten Teil aus Deutschland- dazu. Es gab ein fröhliches Wiedersehen mit all den anderen Piloten, die wir auf den CFI-Flügen kennen gelernt hatten.

Hotel Lapallis-Perigny [LFHX] kurz bevor Schlafenszeit.

Am nächsten Morgen war ein gemeinsamer Flug nach Beaune im Burgund geplant. Wir waren ungefähr 20 Flugzeuge, die nunmehr von Lapalisse Richtung Beaune flogen. Unsere bewährte Truppe, mit Hans und Uwe Wirtz in der Katana sowie Hank und Elli Dumont in der Taifun und Karla Philipp und ich in der GROB flogen wieder in unserer bewährten Dreierformation.

Es war nicht ganz einfach, an diesem Tag zu fliegen, weil uns starke Regenschauern den Weg versperrten und die Basis über dem hügligen Gelände nicht sehr hoch war. Wir mussten sehr stark vom Kurs abweichen. Normalerweise führte der Kurs genau nach Nordosten, wir mussten jedoch zuerst erst einmal Richtung Osten fliegen und kamen zum Canal du Centre, dem wir folgten, von dort konnten wir an einer Autobahn direkt bis nach Beaune fliegen. Hier trafen wir auf die anderen Flugzeuge, die teilweise einen anderen Weg geflogen sind, trotzdem waren wir zeitgleich da. Beim Landeanflug herrschte so großer Betrieb, dass wir mit der D-KEOI gleich zwei Mal durchstarten mussten, bis wir endlich selbst landen konnten.

Gruppenfoto Aero Club de Beaune. Mitten in der ersten Reihe steht René Fournier.


Nachdem wir gelandet waren, gab es – so wie in Frankreich üblich – einen Sektempfang und ein Essen. Die ganze CFI-Truppe nahm in dem Vereinshaus des Fliegerclubs Beaune Platz, wo wir versorgt wurden. Einer der deutschen CFI-Piloten kam mit seiner RF-4 verspätet angeflogen, machte einen beeindruckenden Tiefüberflug und vergaß dann bei der Landung, das Fahrwerk auszufahren. Dieses war besonders ärgerlich, weil es sich um eine besonders schön restaurierte RF-4 handelte, die in jahrelanger und mühevoller Arbeit in solch einen guten Zustand gebracht worden war und nunmehr auf der Startbahn lag.

Ein sehr gemütliches Mittagsessen im Clubhaus von Beaune.


Nach dem Mittagessen, was sich über mehrere Stunden hinzog, flogen wir mit unserer Dreierbande gemeinsam über die erloschenen Vulkane der Auvergne, einmal rechtsherum um die Stadt Clermont-Ferrand. Die Stadt liegt in einem riesigen Talkessel, der dort liegende Flugplatz kann nur von der östlichen Seite an- und abgeflogen werden, im Westen versperren die Berge den Weg. Dieser Flug dauerte zwei Stunden, es ist immer wieder ein besonders schönes Erlebnis, über den erloschenen Vulkanen der Auvergne zu fliegen und alles von oben zu sehen.

Herrn René Fournier (l.) und RF4 Pilot Alfred Scherer (r.).

An diesem Abend gab es wieder den vom CFI veranstalteten Abend, zu dem auch der Namensgeber dieses Vereins, der französische Konstrukteur René Fournier, erschien. Nach Begrüßung durch die örtlichen Honoratioren gab es, wie jedes Jahr, ein vom Club organisiertes Essen, dass sich auch wieder über mehrere Stunden hinzog. Kurz vor Mitternacht reichte man uns den in langer Arbeit erstellten Mitternachtstrunk. Es war wieder ein sehr schöner Abend, bei dem die Freund-schaften der Piloten vertieft und neue geschlossen werden konnten.

Auch mit dabei wieder Cristian Müssemeyer unser unermüdlicher Organisator (links).

Morgenstund hat Gold im Mund.

Gruppenfoto, Uwe Wirts, Karla Philipp, Ellie und Henk Dumont, Hans Wirtz.

Einpacken und Abschied nehmen. Ein herrliches Wochenende ist leider vorbei.


Am nächsten Morgen flogen wir mit unserer Dreierbande zurück nach Deutschland. Schon kurz nach dem Start stellten wir fest, dass die Wolken sehr tief waren, so dass wir uns entschlossen, über den Wolken zu fliegen. Dieses war problemlos möglich, weil es sich um recht kleine und tiefe Wolken handelte und wir genügend Wolkenlücken fanden, um trotzdem terrestrisch navigieren zu können. Über den Wolken hatten wir eine tolle Sicht und - frei nach Reinhard May - eine grenzenlose Freiheit. Wir flogen direkt auf das VOR Montmedy und waren immer in einer Höhe zwischen 5.000 und 6.000 ft. Als wir vor den Ardennen waren, entschlossen wir uns abzusteigen und zur Dahlemer Binz zu fliegen, um dort noch einmal aufzutanken. Wir verabschiedeten uns in der Luft von Henk und Elly Dumont, die mit ihrer schnellen Taifun gleich nach Geilenkirchen flogen. Auf der Dahlemer Binz tankten wir und flogen zurück nach Mönchengladbach.

Wir sind an diesem Wochenende ca. 10 Stunden geflogen und hatten wieder tolle Flugerlebnisse. Hier zeigt sich, dass das Fliegen in einer kleinen Gruppe von drei Maschinen vorteilhaft ist, weil jeder mitdenkt und jeder mitnavigiert, so dass jeder den anderen unterstützt. Wir hatten sehr viel Spaß miteinander und hoffen, noch viele schöne Flüge machen zu können.


Christian Müssemeyer

home
 ©2006 powerglidertaifun.de