Mit dem Taifun rund um die Ostsee
Text und Bilder:
Gabriele Brönner-Garben und Manfred Garben (Berlin)
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Im Juli 2002 haben wir mit unserem Motorsegler
Taifun17 E einen Flug über Polen, die Baltischen Staaten, Finnland und
Schweden rund um die Ostsee gemacht. Der Flug führt von Berlin über
Danzig, die Masurischen Seen, die Kurische Nehrung zur Insel Saaremaa in Estland
und von dort über Tallin, die Aland Inseln, Schweden und Dänemark
wieder zurück nach Berlin.
Damit jedoch all die schönen Erlebnisse nicht verloren gehen, haben wir
die wichtigsten Eindrücke aufgeschrieben und mit Fotos und Bildern zusammengestellt.
Samstag, 6. Juli 2002
Alle Flugvorbereitungen sind erledigt: Jahresnachprüfung des Taifun bei
Korff, Kartenmaterial und GPS-Datenbasis aktualisiert, fehlende Anflugkarten
der Baltischen Staaten und Notams von AIS-Schönefeld per Fax schicken lassen,
Versicherungsnachweis des Taifun an AIS-Polen gefaxt, Flugplan von Schönhagen
nach Danzig aufgegeben und letzte Wetterinfos eingeholt. Sie sind vielversprechend
- ein stabiles Hoch über Süd-Finnland hält die von Westen über
Mitteleuropa nahenden Tiefs ab.
Der Flieger ist gecheckt und
vollbepackt: 2 Reisetaschen, die Fliegertasche, Zelt, 2 Luftmatratzen ... Schwimmwesten,
Werkzeug, Öl und Proviant - alles zusammen gerade mal 20 kg!
Um 10 Uhr Ortszeit heben wir in Oehna ab.
Kurze Zwischenlandung
in Schönhagen für die Pass- und Zollformalitäten durch die Flugaufsicht
nach telefonischer Voranmeldung am Vortag.
Um 11.22 Uhr geht’s weiter. Die 1. Etappe führt uns südöstlich
an Berlin vorbei bis zur Oder und dann nach Norden bis zum Einflugpunkt BODLA
südwestlich von Stettin. Wir melden uns bei FIR-Berlin ab und schalten
um auf Szczecin-TWR (Stettin). Über die für VFR-Flüge vorgeschriebenen
Luftstraßen VK8 und VK7 von Stettin fliegen wir Richtung Gdansk(Danzig).
Der Fluglotse erfragt unsere voraussichtliche Flugzeit bis zu den vorgegebenen
Meldepunkten und weist uns an, bei Erreichen des Meldepunktes MAISTKO auf Danzig
APR umzuschalten.
Unter uns viele Seen, Wälder, einige Dörfer, wenige Städtchen,
klein parzellierte Felder. Vor Danzig wird die Landschaft unter uns hügeliger
und besiedelter.
Anflug und Landung in Danzig nach 2 ½ Std. Flugzeit sind kein Problem:
tanken, abstellen, ausladen, sichern der Maschine gegen Wind und Regen. Alles
schon Routine!
Die polnischen Mitarbeiter am GAT sind aufgeschlossen, unbürokratisch,
sprechen gut Englisch und warnen uns vor den illegalen Taxen. Und schon werden
wir angesprochen. Der Preis scheint uns gar nicht so hoch - wir sind unsicher
- Manfred erkundigt sich bei den offiziellen Taxen und siehe da, sie sind wesentlich
billiger.
Das empfohlene Hotel ist in Ordnung (45€ pro Nacht für uns zwei); wir finden
ein schönes Restaurant in einer umgebauten Mühle und probieren das
erste Mal Piroggi.
Sonntag, 7. Juli 2002
Der sog. Königsweg ist unser erstes Ziel - der Reiseführer erläutert Bedeutung, Besitzer und Entstehung der repräsentativen Häuser.
An einem fahrbaren Bernsteinstand kommen wir mit einem älteren Polen ins Gespräch, der als 16-Jähriger mit seinem Bruder zur Zwangsarbeit in Deutschland war und noch recht gut Deutsch spricht und sich an viele Orte und Städte erinnern kann, in denen er vor 58 Jahren war: „Wo ich vor mehr als 50 Jahren war, das weiß ich genau, aber was ich gestern Abend gegessen habe, daran kann ich mich nicht mehr erinnern.“ Solche Begegnungen sind einerseits wegen ihrer Offenheit schön, machen uns wegen der deutschen Vergangenheit aber auch immer wieder etwas beklommen. Wir kaufen noch drei verschieden farbige Bernsteinketten für einen sehr günstigen Preis.
Als es zu regnen beginnt, flüchten wir ins Schifffahrtmuseum im alten Kran.
Die nur aus Holz gefertigte astronomische Holzuhr von 1464 zeigt die Uhrzeit, das Datum, die aktuelle Mondphase und den Stand der Sternzeichen an. Am Fuß der Uhr ist das Gesicht des Uhrmachers zu erkennen. Ihm wurden auf Geheiß des Bürgermeisters nach der Fertigstellung der Uhr die Augen ausgestochen, damit diese Uhr einzigartig blieb. Sie ist es! Am Nachmittag mit dem Schiff zur Westerplatte: Hier hat durch Beschuss durch deutsche Kriegsschiffe am 1.9.1939 der 2. Weltkrieg begonnen.
Montag, 8. Juli 2002
Es geht weiter. Flug von Danzig über Masuren (VK10)nach Litauen. Eine Genehmigung für den direkten Durchflug des jetzt russischen Ostpreußen über Kaliningrad (Königsberg)und die Nehrung soll zwar möglich aber sehr aufwendig sein - wir versuchen es deshalb erst gar nicht.
Bei schönstem
Wetter geht’s um 11.06 Uhr in die Luft und in 2000 Fuß erst nach Süden
bis Nowe an der Weichsel dann über die Masurischen Seen in Richtung Osten.
Ab und zu melden wir über Funk unsere Position, Höhe und voraussichtliche
Überflugzeit (ETA) der nächsten Pflichtmeldepunkte. Dem Funk nach
zu urteilen haben wir das Gefühl fast allein in der Luft zu sein. Das GPS
weist uns den rechten Weg. Über der Grenze zu Litauen melden wir uns bei
Kaunas Approach und werden - wie in Polen - in sehr gutem Englisch willkommen
geheißen (schwierig war für uns manchmal nur das Verstehen und Aussprechen
der polnischen Meldepunkte).
Landung in Kaunas um 14.00 Uhr (lokal): großer Flugplatz - hohe Gebühren
- großer Verwaltungsaufwand!
Beim Abstellen kommen uns die Besatzungen von vier deutschen Maschinen (aus
Kyritz) entgegen, die im Verband VFR von Riga kommend mit Ziel Danzig in Kaunas
zwischengelandet sind und uns aufgebracht ihre Erlebnisse mit der litauischen
Flugplatzbürokratie erzählen. Erst wollen wir es nicht so recht glauben,
aber nach 21/2 Stunden Bürokratie und einer Rechnung von ca. 100 Euro für
Landung, Handling (Bremsklötze vorlegen) und An- und Abflug sind wir ebenso
sauer. Nach den positiven Erfahrungen in Polen haben wir in Kaunas das Gefühl,
Wegelagerern in die Hände gefallen zu sein.
Wir starten schnellstmöglich wieder und fliegen gegen die schon tiefer
im Westen stehende Sonne die Memel entlang bis zu ihrer Mündung - der Flug
entschädigt uns für alles. Der Himmel ist blau und nordisch klar,
unter uns eine relativ dünn besiedelte Fluss-, Wiesen- und Waldlandschaft:
Das südliche Memelufer bildet die Grenze zu der russischen Enklave des
ehemalige Ostpreußen.
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Dienstag, 9. Juli 2002
Nachdem wir
etwas ungewohnt unter einer einzigen Decke, in dem etwas muffig riechenden Zimmer
überraschend gut geschlafen haben, machen wir uns per Bus auf den (Land-)Weg
nach Nida. Vorher wird am Straßenrand gefrühstückt. Die gefüllten
Pfannekuchen sind hervorragend im Gegensatz zu Manfreds schlaffen Hot Dogs.
Wir fahren mit einem Minibus nach Klaipeda. Dort setzen wir mit der Fähre
auf die Kurische Nehrung über und fahren dann wiederum mit dem Bus auf
der einzigen Landstraße bis Nida. Eine 70 km lange Fahrt überwiegend
durch Kiefernwald, ab und zu mit Blick auf die Ostsee oder das Haff, die Busse
sind bis auf den letzten Platz gefüllt, es ist sehr heiß.
Dann sitzen wir in Nida bei einem Bier mit Blick auf das Haff und genießen
Landschaft, Schönheit, Ruhe. Nicht allzu lang, denn wir wollen noch auf
die 60m hohe Düne und an den Strand. Von der Düne ein weiter Blick
hinüber auf den russischen Teil der Kurischen Nehrung. Am Strand wunderschöner,
weißer Sand und eine kalte Ostsee! Wir müssen wieder zurück,
um 20.30 Uhr fährt der letzte Bus nach Palanga.
Und noch eine Überraschung: Auf dem Weg zur Düne begegnen wir Matthias
Weström mit seiner Frau und Anita Cieslak von der Blista, sie sind seit
gut einer Woche auf der Nehrung und genießen die Zeit.
Auf unserem Rückweg ist noch Zeit auf dem Marktplatz von Klaipeda, unter
dem Ännchen-von-Tharau-Brunnen zu Abend zu essen. Wir beschließen
unser Gepäck in Palanga zu holen und zwei weitere Tage auf der Nehrung
zu verbringen.
Mittwoch, 10. Juli 2002
Wir stehen früh auf. Nach der Überfahrt mit der Fähre in Klaipeda
sind wir nicht schnell genug vom Schiff - alle Busse nach Nida sind besetzt
- ein Taxifahrer bietet sich für den gleichen Preis an. Wir finden noch
zwei weitere Mitfahrer, eine Russin aus Moskau mit ihrem Sohn, und los geht’s.
Der verpasste Bus erweist sich als Glücksfall, denn der Taxifahrer, den
wir nach einer schönen, kleinen Unterkunft fragen, bringt uns nach einigem
Hin und Her zu einer sehr schön gelegenen Pension direkt am Haff. Graschina
und Alfredas begrüßen uns mit großer Herzlichkeit und Fröhlichkeit
- wir fühlen uns willkommen.
Dann gibt es zur Stärkung erst einmal kalte Getränke, ein Fischragout
mit Kartoffelsalat und eine Einladung zum Grillen am Abend als Abschiedsessen
für den 16jährigen Sohn, der zusammen mit einem deutschen Freund am
nächsten Morgen abreist und in Deutschland auf einem litauischen Gymnasium
(in der Nähe von Hanau) sein Abitur machen soll.
Wir gehen an den Strand - es ist sehr heiß und wir liegen in den Dünen
- ein weicher, frischer Wind weht über uns hinweg. Herrliche Stunden!
Nach unserer Rückkehr geht es auch schon los: Graschina begrüßt
alle Gäste und stellt uns vor. Es sind ausnahmslos deutsche Gäste.
Als erstes gibt es frisch geräucherten Aal und verschiedene Salate und
zum Anstoßen: „Lustigwasser“.
Danach in Apfelsaft eingelegtes Schaschlik (hervorragend!) mit Kartoffeln und
viel Kuchen zum Nachtisch.
Sehr viel später geht es an den Strand zum großen Feuer mit viel
Gesang und noch mehr Lustigwasser. Manfred geht schon mal ins Bett.....
Donnerstag, 11. Juli 2002
Ein schwieriger
Tag für Manfred: etwas bewölkt mit Katerstimmung.
Wir besuchen das Sommerhaus von Thomas Mann, das er 1930 auf dem Schwiegermutterberg
erbauen ließ und in dem die Familie Mann drei Sommer-urlaube verbrachte.
Haus und Inneneinrichtung ganz aus Holz, jeder Stuhl, jedes Bücherregal
nach den Wünschen des Dichterfürsten entworfen und gefertigt mit dem
sog. „Italienblick“ auf’s Haff.. Viel hat das Museum noch nicht zu bieten, vieles
steckt noch in den Anfängen.
Ich besuche das sehenswerte Bernsteinmuseum mit einer großen Auswahl von
wunderschön gefertigtem, teurem Bernsteinschmuck, den Friedhof mit den
eigenartigen Holzkreuzen, die so gar nicht christlich aussehen, und die evangelische
Kirche.
Nach einer längeren Mittagspause, nehmen wir die Räder und fahren
bzw. schieben die Räder über Wald- und Sandwege zum Sonnenuntergang
ans Meer. Ohne Worte!
Freitag, 12. Juli 2002
Wir wollen
weiter Richtung Norden. Von Alfredas werden wir mit dem Auto bis nach Klaipeda
mitgenommen, von dort fahren wir mit dem Bus bis Palanga und das letzte Stück
mit dem Taxi zum Flugplatz.
Ich muss, bevor nicht alle Formalitäten von meinem Piloten erledigt sind,
in der Flughalle warten. Das ist uns noch nie passiert. Die Erledigung der Bürokratie
dauert wieder ca. zwei Stunden und ist exklusiv teuer wie in Kaunas.
Als ich schon nicht mehr weiß, was ich tun soll, fragt mich ein Journalist,
der auch gleich einen Dolmetscher mitgebracht hat, nach meinen Reiseeindrücken
in Litauen. Ich schwärme ihm von der Kurischen Nehrung vor, vergesse aber
auch nicht die überhöhten Flugplatzgebühren zu erwähnen
und versuche ihm klar zu machen, dass nicht alle Leute aus Deutschland, die
ein kleines Flugzeug besitzen, reich sind. Ich glaube, er hat mich nicht verstanden.
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Samstag, 13. Juli 2002
Wieder schönstes
Sommerwetter mit kleinen Schönwetterwölkchen. Wir leihen uns Fahrräder
(auf Motorroller ist man noch nicht eingestellt) und fahren Richtung Westen.
Fahrradwege gibt es nicht, die Straßen sind zwar nicht sehr befahren -
aber es ist alles andere als angenehm, wenn die Autos so vorbeibrausen. Wir
biegen zu einem alten Hafen ab. Nichts Aufregendes.
Auf dem Rückweg entdecken wir eine Fischräucherei: frisch geräucherte
Schollen, selbst gebrautes helles Starkbier, Brot, Tomaten und Käse. Eine
bleibende Erinnerung!
Sonntag, 14. Juli 2002
Um 7.45 Uhr
sind wir am Flugplatz. Wir geben den Flugplan nach Tallinn auf, bezahlen, machen
den Flieger startklar und ab geht´s.
Nach 1 ½ Std. Flug bei gutem Flugwetter setzen wir auf dem großen,
neuen, inter-nationalen Flughafen von Tallinn auf. Für alles wird - wie
in Kaunas und Palanga - kräftig kassiert. Aber man ist gnädig und
erlässt uns wenigstens die Gebühren für den ungefragten Bustransfer
vom Flieger zum Flughafengebäude.
Ins nahe Zentrum fahren wir mit dem Bus. Wir suchen das Tourismusbüro:
Es ist sehr heiß, viele Menschen sind unterwegs. Die Preise für Unterkünfte
in der Altstadt sind hoch. Das erste Zimmer ist entsetzlich: Hochbetten, Fenster
zur Straße, direkt neben der Rezeption, Toiletten min. 30m entfernt. Wir
müssen noch einige Kronen drauflegen für eine passable Unterkunft.
Nach dieser langen Zimmersuche haben wir Hunger. In einem nahen Supermarkt kaufen
wir unser Mittagessen: Brot, Fischsalate, Getränke.
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Montag, 15. Juli 2002
Wir entschießen uns weiter zu fliegen. Wir wollen raus aus der Stadt aufs Land.
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Dienstag, 16. Juli 2002
Am nächsten
Morgen geht es uns beiden wieder besser.
Frühstück bekommen wir von der Vermieterin, ebenso wie auch 2 Fahrräder.
(Sie spricht den ersten Tag nur Englisch mit uns, da sie uns wegen unseres guten
Englisch für Engländer hält!)
Wir radeln zunächst zum Schifffahrtsmuseum in Mariehamn mit dem Museumsschiff
„Pommern“, einem 3-Mast-Frachtsegler aus dem Jahr 1903. Ein sehr übersichtlich
gestaltetes Museum mit sehr schönen Exponaten. Besondern ein-drucksvoll
ist die „Pommern“: ihre Größe, ihre original erhaltene Ausstattung,
die Bilder von ihren Fahrten in Unwetter und Sturm.
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Mittwoch, 17. Juli 2002
Erst um 11.00
Uhr sind wir am Platz: Flugplan, Wetter, neue Luft für die Reifen, Öl,
Gepäck verstauen, Scheiben putzen. Wir brauchen fast 1 ½ Stunden
für die Vorbereitungen.
Es ist sehr heiß - in der Luft etwas angenehmer.
Wir nehmen die Route über das Wasser in 2500 Fuß an Stockholm vorbei
bis nach Västerwik. Ein schöner Flug.
Västerwik ein typisch schwedischer Platz: kein Funk, aber eine gute Piste
in einer breiten Waldschneise und ein freundlicher „Platzwart“. Benzin gibt
es auch: Avgas für nur 6,2 Kronen (ca. 80 Cent).
Manfred schaut sich mit dem „Platzwart“ im klimatisierten Tower auf dem PC die
Wetterprognosen an; ich warte lustlos vor der Hütte in der Hitze - wir
entscheiden weiter zu fliegen.
Beim Start hustet der Motor, Manfred bricht den Start vor der Halbbahnmarkierung
ab. Nachdem er mit angezogener Bremse den Gashebel vorsichtig mehrmals bis zum
Anschlag nach vorne schiebt, läuft der Motor wieder rund. Wir rollen zurück
zum Start und geben Vollgas. Mit etwas mulmigem Gefühl rollen wir los,
müssen wir am Ende der 600m langen Bahn doch die ersten Baumwipfel überstiegen
haben, um nicht im Wald zu landen. Doch beim zweiten Versuch klappt alles und
wir sehen nach kurzem Steigflug das Meer wieder vor uns.
Wir suchen einen Platz, wo wir endlich mal unser Zelt aufschlagen können.
Unser erster Versuch schlägt fehl: Der Platz Ölanda im Norden der
Insel Öland ist unter aller Kritik: eine 800 m lange Bahn, holperig, Schlaglöcher,
direkt neben einer Go-Cart-Piste. Wir starten gleich wieder.
Über Öland fliegen wir südwärts bis Kalmar, danach Richtung
Westen nach Emmabodda. Wir überfliegen den Platz von Emmabodda, um die
Landerichtung auszumachen und setzen über Funk eine Blindmeldung ab.
Beim Landeanflug sehen wir plötzlich Leute auf der Bahn - also längere
Landung, dann kurz vor dem Aufsetzen bemerken wir aufgestellte Holzpfosten -
Manfred findet eine Lücke, wir rollen aus, stellen den Flieger vor dem
Hangar ab.
Ein Motorrad kommt angerast, wir haben ein etwas schlechtes Gewissen, und das
Gefühl irgendetwas übersehen zu haben.
Jedoch für den Motorradfahrer und Flieger, Marco, kein Problem. Er erklärt
uns, dass die 1200 m lange Landebahn vor sechs Monaten halbiert wurde: die eine
Hälfte für die Flieger, die andere Hälfte für Schleuderkurse
probende Autofahrer. Unsere Anflugkarte war wohl nicht auf dem neuesten Stand!
Wir können den Taifun abstellen, Marco organisiert eine Fahrgelegenheit
und ein Hotelzimmer in Emmabodda bei seinem Freund Göran.
Am Abend treffen wir dann beim Essen wieder mit Marco zusammen, und er erzählt uns aus seinem abenteuerlichen Leben und wie es ihn von Jugoslawien über Deutschland nach Schweden verschlagen hat. Ein ereignisreicher Tag.
Donnerstag, 18. Juli 2002
Nach 12 Tagen
bestem Flugwetter erreicht uns schlechtes Wetter mit Sichten unter 2 Km und
500 Fuss Wolkenuntergrenzen von Südwest.
Wir müssen in Emmabodda bleiben, obwohl es hier alles andere als verlockend
aussieht: zwei Hotels, eine Bahnlinie, ein paar Supermärkte, wenig mehr.
So eine Art Einkaufsmittelpunkt inmitten der Wald- und Seenlandschaft.
Mit dem Zug fahren wir in das 30km entfernte Kalmar. Besonders eindrucksvoll
ist hier das Schloss, gebaut um 1180 mit einer riesigen Befestigungsanlage und
im 14. Jahrhundert unter Margarete (1385-1420) Zentrum einer Union nordischer
Staaten.
Freitag, 19. Juli 2002
Göran setzt uns mit unserem Gepäck am Morgen am Flugplatz ab; er startet bei Untergrenzen von 500 bis 800 Fuss mit seinem Flieger zur Inspektion nach Kalmar. Er hat wohl die letzte Lücke erwischt.
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Samstag, 20. Juli 2002
Immer noch grauer Himmel, tiefe Wolken und schlechte Sichten - keine Möglichkeit wegzukommen. Wir entschließen uns mit dem Zug nach Växjo zu fahren und dort das Auswanderermuseum zu besichtigen. Zwischen 1646 und 1930 wanderten 1,2 Millionen Schweden vor allem in die USA aus. Jeder 5. Auswanderer kehrte jedoch auch wieder nach Schweden zurück. Aufgefallen ist mir, dass die Auswanderung anders als in deutschen Veröffentlichungen gewertet wurde: nicht so sehr als ein tragisches Ereignis, sondern eher als einen großen, hoffnungsvollen Schritt in eine bessere Zukunft.
Am frühen
Nachmittag telefoniert Manfred stündlich mit Herrn Witte oder Herrn Anders,
unseren treuen Berliner Ratgebern in allen Wetterfragen auf unseren Flugreisen.
Herr Anders sieht eine Chance für uns: ein Zwischenhoch, das ab heute Nachmittag
auch Südschweden erreichen wird, bevor es Morgen Mittag wieder schlechter
werden soll!
Wir entschließen uns mit dem nächsten Zug zurückzufahren, packen
unsere Sachen, werden zum Flugplatz gefahren und um 18.00 Uhr klart es tatsächlich
soweit auf, dass wir Richtung Westküste starten können. Je mehr wir
nach Westen kommen, desto besser wird das Wetter. Wir haben es geschafft. Wir
überfliegen Tynksrid, unseren Urlaubsort vor fünf Jahren und landen
nach gut 1 stündigem Flug in Landskrona, nördlich von Malmö.
Wir tanken - gehen aufs Klo; wir wollen wegen der schlechten Wetterprognose
versuchen, noch an diesem Abend nach Mecklenburg-Vorpommern zu kommen. Das „Aus“
kommt jedoch 10 Minuten nach dem Start. Wir melden uns auf der FIS Frequenz
von Malmö und geben unser Flugziel Rostock an. Der Fluglotse fragt uns
nach dem Flugplan. Wir haben keinen. Wir müssen nach Landskrona zurück.
Manfred hatte fälschlich angenommen, dass (von wegen Schengen) kein Flugplan
erforderlich ist.
Wir sind jedoch gar nicht so traurig. Die Pächterin des Flugplatzes macht
uns ein gutes, fischiges Abendessen im Wintergarten des Klubhauses und ein Bett
im Dachzimmer. Bald gehen wir schlafen, nicht ohne Herrn Anders gefragt zu haben,
wie das Wetter am nächsten Tag wird. Sehr früh aufstehen, rät
er uns, weil von Westen eine Gewitterfront naht, die Berlin gegen Mittag erreichen
soll.
Sonntag, 21. Juli 2002
Um 5.00 Uhr klingelt unser Handy-Wecker. Waschen, noch mal Wetterinformationen einholen, frühstücken, Sachen verstauen, Tragflächen trocken reiben.
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Um 7.00 Uhr LT starten wir. In Schweden haben wir noch diesiges Wetter,
mit Bodennebel im Küstenbereich - im Norden Deutschlands scheint die
Sonne.
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Gabriele Brönner-Garben und Manfred Garben
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