Erstes Technisches Taifuntreffen
in KASSEL-CALDEN (EDVK)
24. bis 26. Juni 2011
von Arne-Krister Turlach
| Bei dem sehr erfolgreichen Taifuntreffen in KOBLENZ 2010 wurde vielfach von den Teilnehmern der Wunsch geäußert, ein Treffen zu veranstalten, bei dem die technischen Aspekte der Valentin Taifun und deren Wartung beziehungsweise Instandhaltung im Mittelpunkt stehen sollten. Auf Anregung von Hans Haas wurde schnell ein passender Ort gefunden: der Verkehrslandeplatz KASSEL-CALDEN (EDVK), zentral in Deutschland gelegen.
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Da der Flugplatzbetreiber in EDVK der Idee eines Treffens äußerst positiv gegenüber eingestellt war, galt es in Folgezeit, das Programm des Ersten Technischen Taifuntreffens mit Leben zu füllen. Diese Aufgabe wurde Urte Fürst und Arne-Krister Turlach zu Teil – eine übrigens nicht ganz unverfängliche aber trotzdem interessante und freudebringende Aufgabe.
Gegen 10 Uhr 30 konnten wir dann – mit einiger Verspätung – nach einer kurzen Begrüßung und Einführung in den Ablauf des Treffens das umfangreiche Programm beginnen.
Der erste Programmpunkt der kleinen Vortragsreihe war dem Thema „Kassel Calden, ein neuer Flugplatz entsteht“ gewidmet. Bernd Brodkorb aus Kassel berichtete kurz über die Geschichte der Fliegerei in Kassel und vornehmlich über den Ausbau des Verkehrslandeplatzes. Hier entsteht bis 2013 ein komplett neuer Flugplatz auf der grünen Wiese, vermutlich der letzte Neubau eines Flugplatzes in dieser Form in Deutschland in den nächsten Jahren. Einen Einblick in die Planung und Verwirklichung eines derartigen Projektes zu erhalten war äußerst interessant und aufschlußreich.
Danach wurde es wissenschaftlich: Jan Schwochow aus Göttingen trug über „Flatterberechnungen an Segelflugzeugen“ vor. Die Aeroelastik untersucht die Wechselwirkung zwischen einem elastischen Körper und seiner Umströmung. Dabei haben Auslenkungen, Bewegungen, stationäre sowie instationäre Luftkräfte, Flugzustand und Steuerausschläge einen nicht zu vernachlässigen Einfluß auf die Flugzeugstruktur. Der negative Aspekt dieser Einflüsse ist das sogenannte Flattern, die ungedämpfte Schwingung eines Flugzeuges. Neben einer theoretischen Einführung in die Grundlagen, wurde darüber berichtet, wie konkrete Messungen an Flugzeugen durchgeführt werden, um im Anschluß daran eine Flatterberechnung für den jeweiligen Flugzeugtyp zu erstellen. Eine derartige Flatterrechnung wurde für den Motorsegler Taifun in den achtziger Jahren beim DLR in Göttingen durchgeführt; die Ergebnisse sind Bestandteil des Flug- und Betriebshandbuches sowie des Wartungshandbuches. So wies Jan Schwochow darauf hin, daß die Ruderrestmomente in gewissen zeitlichen Abständen – vor allem nach Reparaturen oder Lackierungen – kontrolliert werden sollten, das Anbringen von Außenlasten (Kameras oder Winglets) problematisch sein kann oder bei Flügen in großen Höhen die Abweichung des Fahrmessers mit zunehmender Höhe beachtet werden sollte. Ein Blick ins Flug- und Betriebshandbuch oder Wartungshandbuch diesbezüglich ist anzuraten, um Flattervorkommnisse zu vermeiden. Beeindruckend waren dabei auch die Filmsequenzen, die Flatterfälle aus der Praxis aufzeigten.
Was man mit der Valentin Taifun außer ausgiebigen Reise- und Segelflügen noch so alles machen kann, wurde durch Hans Haas in seinen Vortrag „Reihenluftbildaufnahmen mit der Valentin Taifun“ aufgezeigt. Neben Fotoflügen nutzt er seine E II für Reihenluftbildaufnahmen. Die Detailauflösung dieser Aufnahmen liegt bei cirka 10cm bei einer Aufnahmehöhe von 400m über Grund. Die Standardvergrößerung der einzelnen Aufnahmen beträgt ca. 25 x 35cm, so daß schon bei der Betrachtung mit bloßem Auge Details gut erkannt werden können. Der Abbildungmaßstab beträgt bei diesen Vergrößerungen annähernd 1:1000. Die Ermittlung von Strecken und Flächen ist somit leicht möglich. Mit einem entsprechenden Auswertegerät kann eine räumliche Betrachtung und Beurteilung durchgeführt werden. So können Höhen von Häusern, Bäumen, usw. bestimmt werden, was ein weites Nutzungsspektrum implementiert.
Ein wichtiges Thema ist die Taifunhomepage www.powerglidertaifun.de. Sie ist nicht nur Kontaktplattform der Taifungemeinde, sondern erfüllt noch weitergehende Aufgaben. Über diese berichtete Manfred Graben in seinem Vortrag „Die Taifun Homepage – Was gibt es Neues, was ist für die Zukunft geplant“ sehr ausführlich. Neben Hinweisen auf aktuelle Treffen und Ereignisse, Fotos, Reiseberichte mit lohnenswerten Reisezielen sowie Berichten aus der Taifungemeinde sollen zukünftig auch technische Aspekte stärker dargestellt werden. Zur Diskussion wurde gestellt, eine Kommission aus Vertretern der Firmen Korff + Limbach + MT und den Taifuneigentümern zu bilden, welche alle Fragen und Maßnahmen einer zukunftssicheren Ersatzteilbereitstellung sowie Wartung bespricht, festlegt und darüber informiert. Dabei wies Manfred eindringlich darauf hin, daß alle Taifunfreunde eingeladen sind, an der Homepage mitzuarbeiten, um sich über diesen Weg in die Taifungemeinschaft einzubringen. Nur so können regelmäßig neue Inhalte veröffentlicht werden, was für die Zukunft der Taifun wichtig ist!
Daß die Valentin Taifun der beste Motorsegler der Welt ist, daraus macht Henk Dumont kein Geheimnis. Über seine vielen Luftreisen innerhalb Europas haben wir auf dieser Homepage schon viel lesen können. Im Jahr 2010 führte Henk aber eine Reise durch, die ihres Gleichen sucht und über die er in seiner Präsentation „Mein Flug nach Israel“ berichtete. Dabei wurde nicht nur über den Flug an sich berichtet, sondern auch über die Vorbereitungen, die Durchführung und Nachbereitung eines derartigen Vorhabens. Wer hier nicht sauber plant, erleidet Schiffbruch. Besonders die sicherheitstechnischen Aspekte, wie Kraftstoffversorgung, lange Flüge über Meer oder Flugzeugvorbereitung waren für viele Zuhörer Neuland. Dazu kamen noch die landesspezifischen Gegebenheiten, welche beachtet werden müssen. Der Vortrag wurde zudem mit eindrucksvollen Bildern untermalt. Eine CD-ROM mit der Präsentation ist über Leo oder Henk gegen einen kleinen Unkostenbeitrag zu beziehen!
Nach den eher theoretischen Vorträgen, wurde es zum Ende dann wieder recht praktisch. Die Musterbetreuerin Cornelia Korff führte im Hangar an der D-KKGG eine „Technische Fragestunde am Flugzeug“ durch. Manfred und Urs nochmals herzlichen Dank für die Bereitstellung Ihres Flugzeuges für diesen Programmpunkt. Mit sehr viel Liebe zum Detail und dem entsprechenden Fachwissen wurden Tipps, Tricks und Probleme der Valentin Taifun 17 E beim Betrieb und der Wartung aufgezeigt. Besonders interessant war dabei Cornelias kleine Kiste mit „Verschleißteilen“ aus der Valentin Taifun. Ausgeschlagene Bolzenaufnahmen aus der Holmbrücke, gebrochene Bremshebelgestänge oder gar verschlissene Verriegelungsbolzen zeigten deutlich, daß man auch bei der robusten Konstruktion der Taifun das nötige Feingefühl beim Betrieb walten lassen sollte. Aber auch in Bezug auf die Zelle und den Motor gab es bei diesem Programmpunkt wieder viel Wissenswertes zu erfahren. Über Neuerungen sowie Modifikationen wurde ebenfalls am Flugzeug gesprochen. Dabei ist zu konstatieren, daß seitens des Musterbetreuers Korff Luftfahrt viel unternommen wird, damit unsere alten „Ladies“ auch in den nächsten Jahren lufttüchtig bleiben. Dafür einen herzlichen Dank an dieser Stelle an Cornelia und Rainer Korff!
Nach diesem breit gefächerten Vortragsangebot sollte dann – aufgrund der Informationsfluten leicht verspätet – gegen frühen Abend zum geselligen Teil des Treffens übergegangen werden. Zum Abendessen traf sich der harte Taifunfreundekern im Landgasthaus Koch in Calden. In geselliger Runde nutzten viele die Möglichkeit nochmals über die Informationen aus den Vorträgen zu diskutieren und neue Aspekte zu vertiefen. Auch hier gilt: Bilder sagen mehr als Worte!
Am Sonntagmorgen trafen sich die Teilnehmer gegen 10 Uhr zum Abschlußbriefing im Terminal des Flughafen KASSEL-CALDEN und warteten anschließend gemeinsam auf fliegbares Wetter. Gegen Mittag beschloß Petrus, doch wieder ein Taifunfreund zu sein und so konnten sich die ersten Flugzeuge in die Luft begeben um heimwärts zu fliegen. Einige nutzten die verbleibende Wartezeit, um noch etwas am Flugzeug zu fachsimpeln oder über die Vorträge am Vortag zu diskutieren.
Ein erfolgreiches, leider durch schlechtes Wetter geprägtes Taifuntreffen ging zu Ende. Wie meinte Manfred doch passend vor seinem Abflug: „ Es war nicht das Treffen mit dem besten Wetter, jedoch das Informativste!“.
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Bis dahin alles Gute! |