Karfreitag
2007. Es giesst in der ganzen Schweiz in Strömen. Kein Mensch
auf dem Flugplatz. Laut trommelt der Dauerregen auf das Dach des Hangars.
In der Wiese bilden sich kleine Weiher. Am Rande des Flugplatzareal
steht ein Flugzeug. Als einziges steht es im Regen. Es ist sich das
gewohnt. Seit mehr als drei Jahren wartet es hier auf sein endgültiges
Ende. Es ist eine Taifun 17 E.

Auf
der Abdeckplane haben Regen, Schmutz und Vegetation ihre Spuren hinterlassen.
Dort wo es nicht abgedeckt ist, ist das Flugzeug selbst angegrünt.
Obschon
die Taifun E anklappbare Flächen hat, steht sie voll entfaltet
in der Natur. Die Flügel sind nicht abgestützt, zwei Betonreifen
verhindern, dass die Maschine plötzlich auf und davon fliegt.
Sie
hätte allen Grund zu. Ihr Besitzer hat jede Menge Probleme. Sein
gesundheitlicher Allgemeinzustand ist – höflich ausgedrückt
– angeschlagen. Um seine finanzielle Lage ist es noch schlechter
bestellt. Jahrelang war das Flugzeug als Pfand in einem Konkursverfahren
gegroundet. Als das Betreibungsamt die Flugplatzverwaltung um eine
Schätzung des Wertes bat den die Taifun noch darstellt, erhielt
es eine brutal ehrliche Antwort: Wertlos !
Ihr
Besitzer hat beispielsweise Löcher in der Tragfläche mit
Glasfasermatte und Epoxydharz geflickt und einfach darüber gespritzt.
Er hat Teile des Flugzeuges demontiert, sie in irgendeine Werkstatt
gebracht, herrichten lassen und wieder montiert. So sind schon vor
Jahren die Zylinder samt Kolben aus dem Motor entfernt worden. Sie
wurden angeblich in einer nahegelegenen mechanischen Werkstätte
geschliffen. Jetzt sucht der angeschlagene Taifun-Besitzer noch passende
Kolbenringe. Und glaubt allen Ernstes daran, dass er dann nur noch
die Benzinschläuche ersetzen muss, um dann nach dieser "Revision"
den Motor mit seinen tausend Betriebsstunden wieder anwerfen zu können.

Die
Plane gelüftet
Nachdem
ich Interesse an dem Wrack bekundet habe, treffe ich mich mit seinem
Besitzer an einem sonnigen Tag auf dem Flugplatz. Zum ersten Mal seit
Jahren, lüftet er die Abdeckplane. Eines muss man dieser Plane,
die er bei einem Lasterplanenanbieter masschneidern liess, lassen:
Im Gegensatz zu meinem teuren Jaxida-Allwetterbezug, scheint sie recht
dicht zu sein. Während sich auf der Flügeloberfläche
meines eigenen Taifuns durch die Feuchtigkeit Blasen und Risse bilden,
ist die Oberfläche des Flugzeuges, das seit drei Jahren bei jedem
Wetter im sumpfigen Gras steht, erstaunlich unversehrt. Ausser den
Unheilen, die der Besitzer in Eigenregie angerichtet hat, sind kaum
"Witterungsschäden" zu entdecken. An der Unterseite
wirken die Flächen sogar gepflegt und vollständig unversehrt.
Anzeichen von Rost sind allerdings im Bereich der Schalter und am
Instrumentenbrett, sowie an den Fahrwerken zu sehen. Wann die in der
Schweiz immatrikulierte Maschine letztmals geprüft worden war,
kann der Besitzer nicht mehr genau sagen. Offenbar ist sie noch Jahre
nach der letzten Kontrolle geflogen. Überhaupt scheint er Mühe
mit konkreten Informationen, wichtigen Details und mit der Administration
zu haben. Er kann oder will sich an nur weniges erinnern und von dem
ist offensichtlich noch einiges falsch.
Rettungsaktion oder Untergang
Unter
dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass hier die Taifun 17 E mit der
Werknummer 1080, Baujahr 1986 und lückenhafter Dokumentation
entweder als Bastleropfer verrottet, oder ein Taifun-Liebhaber (Und
kein profitorientierter Händler) eine Rettungsaktion startet.
Den veralteten und verbastelten Limbachmotor 2500 EB kann man gleich
mal vergessen. Da müsste ein neuer rein. Das gesamte Flugzeug
müsste wohl oberflächenerneuert und darüber hinaus
auf Strukturschwächen geprüft werden. In den Jahren, in
denen es bei Wind und Wetter auf ca. 7000 Fuß. im Freien stand,
lag hin und wieder ein halber Meter Schnee. Zum Beispiel im Winter
2005/2006 !
Das
Fahrwerk scheint auf den ersten Blick durch das hohe Gras lediglich
angerostet zu sein. Die Becker Instrumente dagegen sehen von aussen
tadellos aus. Diverse Metallteile wie die Fahrwerkskurbel oder Schrauben
am Armaturenbrett dagegen sind verrostet.
Der
Besitzer will noch mindestens umgerechnet 13`000 Euro für sein
Wrack. "Das ist das Mindeste", findet er. Und verspricht:
"Für diesen Preis mache ich dann aber gar nichts mehr am
Motor".
Der
Autor versucht jetzt mit Limbach, deutschen LTB`s und östlichen
Lackierungsspezialisten mal eine Hochrechnung zu machen, was die Restaurierung
der Maschine samt allen Transporten kosten würde. Um dann den
Besitzer mit harten, aber faktisch gefestigten Tatsachen zu konfrontieren.
Ziel:
Eine der gefragten Taifun 17 E komplett saniert wie aus der Fabrik
zu einem fairen Preis einem Taifun-Liebhaber anbieten zu können.
Der dann sogar noch die Farbgebung bestimmten könnte.
Niklaus
Wächter