Hier stirbt eine Taifun 17 E

Ihr Besitzer hat weder Geld noch Lizenz


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Text und Bilder: Niklaus Wächter

Karfreitag 2007. Es giesst in der ganzen Schweiz in Strömen. Kein Mensch auf dem Flugplatz. Laut trommelt der Dauerregen auf das Dach des Hangars. In der Wiese bilden sich kleine Weiher. Am Rande des Flugplatzareal steht ein Flugzeug. Als einziges steht es im Regen. Es ist sich das gewohnt. Seit mehr als drei Jahren wartet es hier auf sein endgültiges Ende. Es ist eine Taifun 17 E.

Auf der Abdeckplane haben Regen, Schmutz und Vegetation ihre Spuren hinterlassen. Dort wo es nicht abgedeckt ist, ist das Flugzeug selbst angegrünt.
Obschon die Taifun E anklappbare Flächen hat, steht sie voll entfaltet in der Natur. Die Flügel sind nicht abgestützt, zwei Betonreifen verhindern, dass die Maschine plötzlich auf und davon fliegt.
Sie hätte allen Grund zu. Ihr Besitzer hat jede Menge Probleme. Sein gesundheitlicher Allgemeinzustand ist – höflich ausgedrückt – angeschlagen. Um seine finanzielle Lage ist es noch schlechter bestellt. Jahrelang war das Flugzeug als Pfand in einem Konkursverfahren gegroundet. Als das Betreibungsamt die Flugplatzverwaltung um eine Schätzung des Wertes bat den die Taifun noch darstellt, erhielt es eine brutal ehrliche Antwort: Wertlos !
Ihr Besitzer hat beispielsweise Löcher in der Tragfläche mit Glasfasermatte und Epoxydharz geflickt und einfach darüber gespritzt. Er hat Teile des Flugzeuges demontiert, sie in irgendeine Werkstatt gebracht, herrichten lassen und wieder montiert. So sind schon vor Jahren die Zylinder samt Kolben aus dem Motor entfernt worden. Sie wurden angeblich in einer nahegelegenen mechanischen Werkstätte geschliffen. Jetzt sucht der angeschlagene Taifun-Besitzer noch passende Kolbenringe. Und glaubt allen Ernstes daran, dass er dann nur noch die Benzinschläuche ersetzen muss, um dann nach dieser "Revision" den Motor mit seinen tausend Betriebsstunden wieder anwerfen zu können.

 

Die Plane gelüftet
Nachdem ich Interesse an dem Wrack bekundet habe, treffe ich mich mit seinem Besitzer an einem sonnigen Tag auf dem Flugplatz. Zum ersten Mal seit Jahren, lüftet er die Abdeckplane. Eines muss man dieser Plane, die er bei einem Lasterplanenanbieter masschneidern liess, lassen: Im Gegensatz zu meinem teuren Jaxida-Allwetterbezug, scheint sie recht dicht zu sein. Während sich auf der Flügeloberfläche meines eigenen Taifuns durch die Feuchtigkeit Blasen und Risse bilden, ist die Oberfläche des Flugzeuges, das seit drei Jahren bei jedem Wetter im sumpfigen Gras steht, erstaunlich unversehrt. Ausser den Unheilen, die der Besitzer in Eigenregie angerichtet hat, sind kaum "Witterungsschäden" zu entdecken. An der Unterseite wirken die Flächen sogar gepflegt und vollständig unversehrt. Anzeichen von Rost sind allerdings im Bereich der Schalter und am Instrumentenbrett, sowie an den Fahrwerken zu sehen. Wann die in der Schweiz immatrikulierte Maschine letztmals geprüft worden war, kann der Besitzer nicht mehr genau sagen. Offenbar ist sie noch Jahre nach der letzten Kontrolle geflogen. Überhaupt scheint er Mühe mit konkreten Informationen, wichtigen Details und mit der Administration zu haben. Er kann oder will sich an nur weniges erinnern und von dem ist offensichtlich noch einiges falsch.



Rettungsaktion oder Untergang
Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass hier die Taifun 17 E mit der Werknummer 1080, Baujahr 1986 und lückenhafter Dokumentation entweder als Bastleropfer verrottet, oder ein Taifun-Liebhaber (Und kein profitorientierter Händler) eine Rettungsaktion startet. Den veralteten und verbastelten Limbachmotor 2500 EB kann man gleich mal vergessen. Da müsste ein neuer rein. Das gesamte Flugzeug müsste wohl oberflächenerneuert und darüber hinaus auf Strukturschwächen geprüft werden. In den Jahren, in denen es bei Wind und Wetter auf ca. 7000 Fuß. im Freien stand, lag hin und wieder ein halber Meter Schnee. Zum Beispiel im Winter 2005/2006 !
Das Fahrwerk scheint auf den ersten Blick durch das hohe Gras lediglich angerostet zu sein. Die Becker Instrumente dagegen sehen von aussen tadellos aus. Diverse Metallteile wie die Fahrwerkskurbel oder Schrauben am Armaturenbrett dagegen sind verrostet.
Der Besitzer will noch mindestens umgerechnet 13`000 Euro für sein Wrack. "Das ist das Mindeste", findet er. Und verspricht: "Für diesen Preis mache ich dann aber gar nichts mehr am Motor".
Der Autor versucht jetzt mit Limbach, deutschen LTB`s und östlichen Lackierungsspezialisten mal eine Hochrechnung zu machen, was die Restaurierung der Maschine samt allen Transporten kosten würde. Um dann den Besitzer mit harten, aber faktisch gefestigten Tatsachen zu konfrontieren.
Ziel: Eine der gefragten Taifun 17 E komplett saniert wie aus der Fabrik zu einem fairen Preis einem Taifun-Liebhaber anbieten zu können. Der dann sogar noch die Farbgebung bestimmten könnte.

Niklaus Wächter






 



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