| Jede Klapperkiste auf vier Rädern hat einen
Thermostaten im Motorraum. Die Taifuns mit Limbach Motoren aber nicht.
Jetzt liefert die Firma Limbach einen Nachrüstsatz. Der Einbau ist
unproblematisch und in anderthalb Stunden erledigt. Von
Niklaus Wächter
Alle
Vorträge, die ich von Betriebsinhaber Peter Limbach schon vernommen
habe, drehen sich um das, in der Luftfahrt immer wieder heiss diskutierte
Thema der Motorüberhitzungen. Passt ja im allgemeinen auch ganz
gut zum allgegenwärtigen Überdrussthema "Klimaerwärmung".
Dass Motoren aber auch zu kalt laufen können, darauf kommt man
als Nichtfachmann schon gar nicht.
Auch ich bin erst mal drei Jahre mit einem unterkühlten Motor durch
Sommer- und Winterlüfte gegondelt, bis ich auf die Idee kam, dass
die Laufunruhe im unteren Drehzahlbereich womöglich im Zusammenhang
mit der Tatsache stehen könnte, dass die Wassertemperatur in Sinkflügen
und beim Fotoflug-Kreisen bis gegen 40 Grad sank. "In der Tat orientiert
sich die elektronische Motorsteuerung auch an der Wassertemperatur.
Ist sie zu tief, läuft der Motor wahrscheinlich zu fett",
erläutert Limbach-Entwicklungsingenieur Peter Stolinski. Und weshalb
bitte, sind die Limbach-Motoren dann nicht wie jedes Auto mit einem
Thermostaten ausgestattet, der durch einen Bypass am Kühler vorbei
verhindert, dass die Temperatur auf unter 70 Grad absinkt. "Danach
bestand keine Nachfrage", sagt Stolinski dazu. Der Mann gehört
eigentlich in ein Bundesamt für amtliche Formulare nach Bedarf.
Dann wäre so manches einfacher…..

Der
Pionier war schnell vergessen
Wobei
das mit der fehlenden Nachfrage eine Ausnahme ausklammert. Der passionierte
Taifun-Halter und Pilot Hans Haas aus Kassel, der es in technischen
Belangen immer ein paar Zacken genauer als seine Mitmenschen nimmt,
hat von Beginn an darauf bestanden, dass sein Limbach-Motor –
unter anderem - mit einem Thermostaten ausgestattet wird. "Alles
andere kommt für mich doch gar nicht in Frage", winkt er ab.
Daraufhin fertigten die Macher bei Korff und Limbach dem aufmüpfigen
Taifun-Käufer notgedrungen einen massgeschneiderten Thermostaten
an. Ohne diesen Vorgang zu dokumentieren. Und das ist einige Jahre her.
Was dazu führte, dass die grosse Ratlosigkeit erneut ausbrach,
als der zweite renitente Meckerer, diesmal aus der Alpenrepublik südlich
vom Schwarzwald nach einem Thermostaten verlangte. Das war ich.
Ein erstes Set von der Firma Limbach, zum stolzen Preis von deutlich
über 400 Euro geliefert, war unbrauchbar. Das zentrale Element,
nämlich der Thermostat an sich, war zwar vorhanden. Klein, schwarz
und kompakt. Doch die Ansammlung von Wasserschlauchstücken, Zwischenrohren
und Schlauchbriden erschien eher zufällig. Die unsäglichen
Zollformalitäten für Güterverkehr zwischen der Schweiz
und Deutschland hinderten mich daran, die thermostatische Wundertüte
umgehend wieder zu retournieren. Sendung und Rechnung wurden also erst
mal gut gelagert. Immerhin zeigte sich Ingenieur Stolinski einsichtig
und versprach, die Entwicklung eines massgeschneiderten Einbausatzes
voranzutreiben und mir das Mahnunwesen der Firma Limbach vom Geldbeutel
zu halten.
Zweiteres misslang und Ersteres zog sich in die Länge. Knackpunkt
der Konstruktion war die Beschaffung eines T-Stückes für jene
Stelle, an der die Wasserläufe einerseits vom Kühler und anderseits
vom Thermostaten herkommend zusammentreffen und dann wieder im gleichen
Schlauch weiter fliessen.

Überraschung:
Es passt wie gedacht
Fast
hätte ich an der Aero 09 in Friedrichshafen meine Wundertüte
gegen einen massgeschneiderten Nachrüstsatz austauschen können.
"Aber die Qualität eines Bauteiles ist noch unbefriedigend",
bedauert Stolinski. Im Frühsommer und damit nach einem halben Jahr
Wartezeit und etwa vier Mahnungen für die nutzlose Wundertüte,
wurde dann der Einbausatz geliefert. Mit einer Fotografie des zusammengebauten
Systems. "Wie wir uns das gedacht haben", sagte Ingenieur
Stolinski dazu. Ich war angesichts der teilweise höchst abenteuerlich
geformten Rohr- und Schlauchstücke mehr als skeptisch. Aber nach
etwa anderthalb Stunden Arbeit wich mein Misstrauen ehrlicher Bewunderung.
Das Schlauchsystem wand sich tatsächlich millimetergenau zwischen
all den Hindernissen im Motorraum hindurch. Vom Beginn des schlauchdominierten
Kühlwasserkreislaufes links in Flugrichtungen, unter dem Motorblock
hindurch bis rechts in die Röhre hinauf.
Die Briden waren teilweise so eng, dass man es Mühe bereitete,
den Schlauch über das Rohrstück zu stülpen. Und für
das Anziehen der beiden Briden die das Schlauch- und das Rohrstück
sichern, die vom Thermostaten direkt unter dem Motorblock nach hinten
führen, ist ein ultralanger Kreuzschlüssel oder Steckschlüssel
notwenig, weil man dort mit der Hand kaum hinkommt. Ansonsten keinerlei
Probleme. Aber ohne Bildvorlage des zusammengesetzten, aber nicht montierten
Systems hätte ich es nicht geschafft.
Ingenieur Stolisnki hat selbst fernmündlich gut hörbar leer
geschluckt als ich kundtat, wie überrascht ich war, dass es gepasst
hat. Aber immerhin: Seit dem Einbau des Thermostaten ist die Wassertemperatur
auch bei langen Sinkflügen im Leerlauf nie mehr unter 70 Grad abgesunken.
Bloss: Mein Motor hat die thermostatische Aufwertung leider nicht wie
erwartet mit einer verbesserten Laufruhe honoriert. Im Gegenteil: Der
Laufunruhe scheint noch eine Steigerung erfahren zu haben. "Könnte
das E-Prom sein", mutmasst Ingenieur Stolinski. Und argwöhnt,
dass sich im Laufe der unterschiedlichen Betriebszustände des Motors
im elektronischen Bauteil "etwas abgelagert" haben könnte.
Tja, so ist das halt bei den Motoren. Damit sie laufen, muss immer etwas
laufen. Laufen wir also mit.
Der Nachrüstsatz für den Thermostaten kostet 415 EUR + MwSt.
Die Teilenummer des Satzes ist 250.169.500.000.
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