Die Überraschung
ist perfekt: "Valentin Flugzeugbau", offiziell als Valentin
GmbH Geräte- und Maschinenbau firmierend, hat sich etabliert.
Der im Flugzeugbau völlig neue Name steht für ein neues,
vom Konzept her anspruchsvolles Flugzeugprogramm im Grenzbereich van
Motorsegler und leichtem bis mittlerem Motorflugzeug. Der Werkstoff
ist revolutlonär und traditionell zugleich, auf Jeden Fall ist
es der Werkstoff, den man im deutschen Sportflugzeugbau besser als
irgendwo anders auf der Welt beherrscht: GfK.
Eigentlich wollle man mit dem neu gestalteten Flugzeugbau-Programm
noch ein wenig "hinter dem Berg" halten, in aller Stille
noch ein gutes Stück weitergekommen. Nachdem Grob-Flugzeugbau
jedoch Ende November "die Katze aus dem Sack gelassen" hatte
und sein neues GfK-Motorsegler- und Motorflugprogramm offiziell ankündigte.
entschloß man sich bei Valentin, das Schweigen zu brechen, um
von vorneherein bei der Diskussion um die neue Motorseglerklasse mitzumischen.
Eigentlich war die Entwicklung eines fortschrittlichen GfK-Motorseglers
längst fällig. Das Knowhow der deutschen Segelflugzeughersteller
war mehr als ausreichend, um die neue Aufgabe anzugehen. Daß
dennoch nichts geschah. lag wohl vor allem an der brillanten Auftragslage
der Segelflug-Industrie, die es ihr ohnehin kaum möglich machte.
der Nachfrage aus dem In- und Ausland nachzukommen. Elne Situation
wie gemacht für Firmen, die den Einstieg in den Flugzeugbau suchten.
Dipl.-Ing. Bernhard Valentin. selbst begeisterter Flieger und Inhaber
eines feinmechanischen Betriebs bei Augsburg, nahm die Herausforderung
an. Aus der ehemaligen Mü-27-Mannschaft der Akaflieg München
gewann der Dipl.-Ing. Thomas Fischer sowie Dipl.-Ing. Jorg Stieber
für die Entwicklung einer neuen GfK-Motorsegler-Familie mit eingeplanter
Erweiterung in Richtung Motorflug.
Für den Aufbau der Fertigung wurde Erwin Frey gewonnen. Die Fertigung
soll, wenn es soweit ist, in Bad Wörishofen erfolgen.
Die
Vorgeschichte: Die Valentin GmbH Geräte- und Maschinenbau ist
in Königsbrunn bei Augsburg beheimatet. Mit rund 50 Mitarbeitern
werden hier luftfahrtgeprüfte Schalter hergestellt. Firmenchef
ist Dipl.-Ing. Bernhard Valentin, selbst begeisterter Privat- und
Sportflieger. Als solcher machte er sich schon immer Gedanken, wie
man die aerodynamisch saubere GfK-Bauweise auf den Bau von Motorseglern
und leichten Sportflugzeugen anwenden könne. Vor allem der Motorsegler
- man ist so ehrlich, es zuzugeben - schien eine gute Möglichkeit,
sich in das neue Gebiet einzuarbeiten.
Was den Zellenbau anbetrifft, so scheint die stürmische Entwicklung
des Segelflugzeugbaus in den letzten Jahren fast spurlos am Motorsegler
klassischer Bauart vorübergegangen zu sein. Die Wünsche
der Motorseglerfreunde und der Motorsegler zählt nach wie vor
zum !iebsten Kinde der deutschen Vereinsflieger - blieben unerhört
von der Industrie. Da die etablierten Hersteller bislang wenig Initiative
in dieser Richtung zeigten, entschloß sich die Firma Valentin
Anfang '79, den Versuch zu wagen und begann mit der Entwicklung eines
modernen Motorseglers in GfK-Bauweise.
Im Frühjahr 1979 begann die Stamm-Mannschalt mit der Arbeit.
Für die Konstruktion ist Dipl.-Ing. Thomas Fischer verantwortlich,
der bei der Akaflieg München die konstruktiven Arbeiten an der
Mü 27 leitete. Vorher sammelte er bereits eineinhalb Jahre in
der Segelflugzeug-Industrie konstruktive Serienerfahrung. Dipl.-Ing.
Jörg Stieber, ebenfalls aus der Mü-27-Mannschaft, ist seit
Oktober mit dabei.
Die Fertigung befindet sich in Bad Wörishofen und wird von Herrn
Erwin Frey geleitet, der umfangreiche GfK-Flugzeugbauerfahrung besitzt.
Seit Juli arbeitet ein qualifiziertes Team von fünf Prototypenbauern
an der Serienvorbereitung. Der aerokurier sprach mit Dipl.-Ing. Thomas
Fischer über das Taifun-Projekt von Valentin.
aerokurier:
Herr Fischer. Sie sind bei der neu in den Flugzeugbau kommenden Firma
Valentin für die Entwicklung eines GfK-Motorseglers zuständig.
Wie soll Ihrer Meinung nach ein Motorsegler der neuen Generation aussehen?
Thomas Fischer: Aus faserverstärktem Kunststoff
wird er sein, ein Doppelsitzer mit nebeneinander liegenden Sitzen,
FIügel in Tiefdeckeranordnung, Motor vorn, darüber war man
sich klar bei der Auslegung. Doch wie soll man alle Fliegerherzen
beglücken, die von einem wartungsfreien doppelsitzigen Motorsegler,
mit Gleitzahl 45, Motor-Reisegeschwindigkeit 250 km/h, harmlosen Flugeigenschaften
und einem Preis von 20000 DM träumen? Die Flieger haben gesehen,
welchen Fortschritt es bei den Segelflugzeugen gab, als die GfK-Bauweise
eingeführt wurde. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß
man mit hochgesteckten Erwartungen an die neue Motorsegler-Generation
herangeht.
Dadurch, daß man einen Motorsegler einfach aus GfK baut, wird
dieser nicht automatisch besser. Es gilt, bei den Voraussetzungen,
die dieser Werkstoff bietet, möglichst viele gute Eigenschaften
in einem ausgewogenen Flugzeugentwurf zusammenzufassen.
Es wurden in der Firma Valentin umfangreiche Flugleistungsrechnungen
durchgeführt. Mit zahlreichen Versionen von Flügelprofilen,
Spannweiten und Flügelstreckungen wurde der Rechner gefüttert,
um die Geschwindigkeitspolaren dieser „Flugzeuge" zu ermitteln.
Die Flugleistungen wurden kritisch miteinander verglichen, der jeweils
beste Entwurf unter den "Kontrahenten" wurde ausgewählt.
Rumpf und Leitwerk waren bei allen untersuchten Versionen gleich.
So konnte man die Tragwerke eindeutig miteinander vergleichen. Schnell
wurde klar, daß sich an dem heute allgemein verbreiteten Rumpfkonzept
- auch bei den leichten Sportflugzeugen ist es ja zu sehen - nichts
Wesentliches verbessern läßt. Ein Rumpf muß nun einmal
für die zwei Insassen bequem sein. Aus Sichtgrunden sollte der
Pilot keine allzu flache, halbliegende Position einnehmen. da sonst
die Beobachtung des Luftraumes vorn unterhalb des Flugzeuges durch
die Tragflügel und den Motor stark behindert würde.
Somit kam es zu einer Rumpfhöhe van 1,18 Metern. Die maximale
Rumpfbreite wurde mit 1,14 Metern festgelegt, das entspricht dem heutigen
Komfort von Sportflugzeugen.

aerokurier: Wie groß ist die Anlehnung an den
Segelflugzeugbau?
Thomas Fischer: Es wurde versucht, die Rumpfkontur
möglichst segelflugzeugähnlich zu machen. So konnten, wo
die Geräumigkeit der Kabine nicht leiden mußte, alle Ecken
abgerundet werden. Diese flüssige Kontur wurde hinter dem Flügel
leicht eingeschnürt, um die umspülte Oberfläche klein
zu halten. Eine zu starke Einschnürung wurde vermieden, da die
Flugleistungen davon nicht profitieren würden, wie Vermessungen
an Segelflugzeugen gezeigt haben, und man statische und dynamische
Probleme (Flattern) van vornherein reduzieren wollte. Viel Mühe
haben sich das Konstruktionsteam mit der Ausrundung des FIügel-Rumpfüberganges
gegeben. Eine solche Lösung ist zwar teuer, doch liegt hierin
eine gewisse Verbesserungsmöglichkeit der Flugleistungen.
Im Gegensatz zu modernen Leistungssegelflugzeugen wählten wir
keine voll eingestrakte Kabinenhaube. Besserer Zugang zum Triebwerk,
geringeres Strukturgewicht und vor allem auch die bessere Sicht bei
Regen waren die Gründe für eine vorn abgesetzte Haube mit
entsprechender Ausrundung.
Da Leitwerke. besonders Seitenleitwerke, bisher häufig zu klein
ausgelegt wurden und im Laufe der Entwicklung eines Flugzeuges vergrößert
werden mußten, haben wir das T-Leitwerk der "Taifun"
- so soll der Motorsegler heißen von Anfang an reichlich bemessen.
Der große Leitwerkshebelarm soll ein ruhiges Flugverhalten bewirken,
die relativ großen Leitwerksflächen ermöglichen gute
Wendigkeit.
Ein solcher Rumpf, der allen nötigen Komfort für zwei Personen
und die erforderlichen Sicherheiten bietet, läßt sich natürlich
nicht so günstig gestalten wie der eines Leistungssegelflugzeuges.
Eine Dreistellungsluftschraube, die für alle Versionen in die
Berechnung mit einbezogen wurde, bewirkt selbst in Segelstellung eine
voll turbulente Umströmung des Rumpfes.
aerokurier: Soll das heißen, daß ein GfK-Rumpf
eines Motorseglers doch nicht so viel bringt, wie man sich davon erhofft?
Thomas Fischer: Gegenüber einem Motorseglerrumpf
in Holzbauweise bietet ein Rumpf in GfK doch einige aerodynamische
Vorteile, so daß schon hier gegenüber den herkommlichen
Motorseglern eine Verbesserung zu erwarten ist.
Der entscheidende Fortschritt wird jedoch durch ein modernes Tragwerk
erzielt. Die Laminarprofile, die uns heute zur Verfügung stehen,
haben geringen Widerstand und lassen sich bei der GfK-Bauweise auch
wirkungsvoll einsetzen. Aber eben diese Bauweise ist es auch, die
ein höheres Strukturgewicht erwarten läßt, als bei
der Holz-: oder Gemischtbauweise.
(Eine Konstruktion vollständig aus carbonfaserverstarktem Kunststoff
(CfK) wurde aus Kostengründen nicht in den Vergleich mit einbezogen.)

aerokurier: Wie sieht es mit den Gewichten aus?
Thomas Fischer: Ein höheres Baugewicht tut gerade
dem Motorseglerpiloten weh, ist doch das Eigensinken in der Thermik
bei stehendem Motor schon groß. genug. Auch würde er gerne
mehr Kraftstoff mitnehmen, um die Reichweite zu verbessern. Die Leistungen
im Steigflug
werden ebenfalls direkt vom Baugewicht beeinflußt.
Bei Spannweiten von etwa 15 Metern und starrem Profil mußten
wir eine relativ kleine Streckung wählen, damit genügend
Flügelfläche vorhanden ist, urn die von den Bauvorschriften
geforderte Mindestgeschwindigkeit von 75 km/h zu erreichen. Eine kleine
Streckung bedeutet aber hohe Sinkgeschwindigkeit im Langsamflug. Gerade
dann, wenn der Segelflieger beim Kreisen in der Thermik ein geringes
Sinken haben möchte. macht sich die kleine Streckung stark negativ
bemerkbar.
Deshalb wurden bei den Ausrechnungen auch Motorseglerversionen mit
Wölbklappenprofilen miteinbezogen. Der größere Maximalauftriebsbeiwert
ermöglicht eine kleinere Flügelfläche, also größere
Flügelstreckung, bei gleicher Mindestgeschwindigkeit.
aerokurier: Für welches Profil hat man sich
bei Valentin entschieden?
Thomas Fischer: Bei den starren Profilen erwiesen
sich die Profile Eppler E 603 und Wortmann FX 61-184 als gleichwertig
und vorteilhaft, bei den Wölbklappenprofilen schnitt das FX-K
170/17 am besten ab. Tabelle 1 zeigt die Daten der Versionen, die
sich als die günstigsten herausgestellt haben.
Die Segelflug-Geschwindigkeitspolaren dazu (Propeller in Segelstellung)
zeigt Abbildung 1.
Die Vorschrift der Lufttüchtigkeitsforderungen für Segelflugzeuge
und Motorsegler (LFSM), daß ein doppelsitziger Motorsegler eine
geringste Sinkgeschwindigkeit von 1,2 mls nicht Überschreiten
darf, erfüllen beide Versionen.
Alle Versionen wurden für maximale Zuladung gerechnet, für
das Fahrwerk wurde ein starres Zweibein-Fahrwerk angenommen, wie es
der vorstehende Riß zeigt.
Die von konventionellen Motorseglern mit einem geringsten Sinken von
etwa 1 m/s erreichten Thermikflugleistungen lassen durchaus noch Wünsche
offen. Da ein moderner Motorsegler aber auch für eine hohe Reiseflugleistung
ausgelegt sein soll, ist es aufgrund der höheren Flächenbelastung
sehr schwierig, mit einer Spannweite von 15 Metern den Sinkwert von
1 m/s zu unterbieten (Version 1). Verzichtet man auf eine Wölbklappe,
so kann man diesen Wert nicht einmal erreichen (Version 2).

aerokurier: Für welche Spannweite haben Sie
sich entschieden?
Thomas Fischer: Der Kunde soll zwischen 15 und 17
Meter wählen können. Vergrößert man nämlich
nun die Spannweite unter Beibehaltung des Wölbklappenprofils
auf 17 Meter, so führt dies zu einer erheblichen Verbesserung
der Segelflugleistungen bei gleicher Reiseflugleistung (Version 3,
Bild 1). Wir wolllen auf das Segelfliegen im Motorsegler großen
Wert legen, dabei jedoch nicht auf gute Reiseleistung verzichten.
Es kam daher nur das Wölbklappenprolil wahlweise mit 15 und 17
Meter Spannweite in Frage.
aerokurier:
Ist das bessere Segelflugzeug auch das überlegene Motorflugzeug?
Thomas Fischer: Kurzum, ja. Und das ist einleuchtend: Wenn
ein Motorsegler mit stillgelegtem Triebwerk bei einer bestimmten Geschwindigkeit
ein geringeres Sinken hat als ein anderer, also ein besseres Segelflugzeug
ist, dann ist er auch das bessere Motorflugzeug. Der Motor hat ja
lediglich die Aufgabe, die "Sinkleistung", das heißt
Flugzeuggewicht x Sinkgeschwindigkeit, zu erbringen.
Wenn man bei einem Vergleich der Kraftflugleistungen davon ausgeht,
daß jede Version mit dem gleichen Triebwerk und dem gleichen
Propeller ausgerüstet ist (gleich gut an den Geschwindigkeitsbereich
angepaßt), dann ist immer der Motorsegler mit der besseren Segelflugleistung
im Vorteil. Hier ziehen Segelflieger und Motorflieger am gleichen
Strang.
Um die zu erwartenden Reise- und Steigleistungen nicht nur im Vergleich,
sondern auch in Zahlen zu erfassen, wurden Flugvermessungen an ähnlichen
Motorseglern eingehend analysiert. Bei heute üblichen Motorseglern
mit LimbachTriebwerken und Hoffmann-Zweiblatt-Verstellpropellern liegt
der Luftschrauben-Wirkungsgrad bei maximal 0.5. Dieser Wert beinhaltet
bereits den erhöhten Rumpfwiderstand durch die Propellerströmung,
die Triebwerksverkleidung miteingeschlossen. Legt man also bei einem
80-PS-Triebwerk auch tatsächlich eine maximale Dauerleistung
von 80 PS zugrunde, dann stehen in Wirklichkeit durch den schlechten
Propeller-Wirkungsgrad nur 40 PS zur Verfügung. Für den
Vergleich wurden in Tabelle 1 die Reise- und Steigleistungen für
80 PS und einem Wirkungsgrad von 0,45 bis 0,5 errechnet. Sollte es
später einmal möglich sein, eine Triebwerks - (Getriebe)
- PropellerVerkleidungs-Kombination mit höherer Effektivität
zu entwickeln, so käme es allen gerechneten Versionen gleichermaßen
zugute.
Eines kam deutlich zum Ausdruck: Die GfK-Motorsegler werden in den
Reiseleistungen besser sein als leichte einmotorige Motorflugzeuge.
Die Summe der Erfahrungen, die man aus diesen Voruntersuchungen gewonnen
hat, ist bei der endgültigen Auslegung der "Taifun"
verwertet worden (Bild 2). Eigentlich handelt es sich urn eine ganze
Taifun-Familie.
aerokurier:
Wie soll sie nun aussehen, die Taifun-Familie?
Thomas Fischer: Man hat also die Wahl zwischen 17 und
15 Meter Spannweite. Mit dem 17-Meter-Flügel werden die Segelflugleistungen
von doppelsitzigen Segelflugzeugen erreicht (Bild 3, Tabelle 2). Die
Flugleistungen sind auch dann noch hervorragend. wenn ein festes Zweibein-Fahrwerk
verwendet wird. siehe Bild 1, Version 3. Bei der großen FIügelfläche
macht sich der Fahrwerks-Zusatzwiderstand im Langsamflug kaum bemerkbar.
Das 15-Meter.Flugzeug ermöglicht eine noch höhere Motor-Reisegeschwindigkeit
und größere Reichweite bei ansprechenden Segelflugleistungen.
Eine Version mit festem Zweibein-Fahrwerk wird die Piloten und Vereine
ansprechen, die ein robustes, leichtes und preiswertes Flugzeug wünschen.
Sensationell mag die Version mit Bugrad-Einziehfahrwerk erscheinen.
Warum bei einem Motorsegler ein derartiger Aufwand getrieben werden
soll, möchten wir folgendermaßen begründen:
-
Der Motorflieger will ein Bugrad-Fahrwerk haben. Die Entwicklung
der Fahrwerke bei Motorflugzeugen macht diese Tatsache deutlich.
Ein Flugzeug mit Bugrad-Fahrwer ist beim Rollen und bei Start und
Landung einfacher zu handhaben, die Sicht ist besser, der Propeller
ist weniger gefährdet als Zweibein-Fahrwerk-Anordnung.
-
Die Umkonstruktion vom Einfachen zum Komplizierten (hier vom festen
Zweibein-Fahrwerk zum Bugrad-Einziehfahrwerk) bedeutet konstruktiv
einen immensen Aufwand, ist teilweise gar nicht mehr möglich.
Macht man sich dagegen gleich zu Anfang über die mögliche
Endstufe einer Entwicklung Gedanken, dann sind konstruktive Vereinfachungen
später leicht durchzuführen.
Daß
sich auch der leistungsbewußte Segelflieger über ein Einziehfahrwerk
freut, liegt auf der Hand.

Noch einen weiteren "Gag" haben wir von vornherein mit eingeplant:
Jedes Flugzeug wird einen Beiklappflügel haben. Eine Person allein
wird das Flugzeug abrüsten können, ein Prüfer –
wie bei Motorflugzeugen - wird dabei nicht erforderlich sein. Der Flügel
hängt an einer Teleskopstange und der Ruderanschluß wird
automatisch erfolgen. Die „Spannweite" beträgt beigeklappt
2,8 m, bei der allgemeinen Knappheit, an Unterstellplatz in de n Hallen
ist dieses System sicherlich zu begrüßen.
aerokurier: Sind Wölbklappen und Querruder gekoppelt?
Thomas Fischer: Bei Verstellung der Wölbklappe
sollen die Querruder wohldosiert mitgeführt werden, eine ausgeklügelte
Überlagerung wird das überziehverhalten harmlos gestalten,
ohne daß bei den Flugleistungen Abstriche gemacht werden müssen.
Ein Wölbklappen-Normalstellung ist vorgesehen, bei der mann –
wenn man will – wie mit einem Motorsegler mit starrem Profil starten,
fliegen und landen kann. Der Segelflieger benutzt für die Gleitwinkelsteuerung
bei der Landung die gewohnten Schempp-Hirth-Bremsklappen, während
der Motorflieger bei der vertaruten Landeklappe (=Wölbklappe) bleiben
kann. Die Trimmung durch ein Flettner-Hilfsruder wird dem Geschmack
der Motorflieger entgegen kommen.
Daß man sich bei einer solch kompletten Ausstattung mit Wölbklappe,
Bugrad-Einziehfahrwerk und Beiklappflügel um ein niedriges Baugewicht
intensiv bemühen muß, liegt auf der Hand. Wir bei Valentin
wollen das Problem durch die Sandwich-Bauweise in den Griff bekommen.
Sandwich, bisher hauptsächlich bei den Flügeln verwendet,
soll bei der Taifun auch im Rumpf, in den Rudern, Spanten, Sitzen usw.
für ein geringes Gewicht sorgen. Für den Kastenholm im Mittelflügel
den Haubenrahmen sowie die Ruder sollen Carbonfasern verwendet werden.

aerokurier: Nach all dem, was Sie gesagt haben, werden
Ihre Motorsegler doch recht aufwendig, oder?
Thomas Fischer: Die Auslegung der Taifun zielt darauf
ab, die Möglichkeiten, die das Konzept eines fortschrittlichen
Motorseglers bieten, voll auszuschöpfen. Die Firma Valentin lehnt
es ab, ein sogenanntes "Billigflugzeug" zu bauen und damit
Abstriche bei den Flugleistungen machen zu müssen. da ja aum der
Preis für einen "einfachen" Motorsegler nicht niedrig
sein kann. Gemessen daran ist kein hoher Mehraufwand nötig, um
erhebliche Leistungsverbesserungen zu erzielen.
In der 15-Meter-Version stellt die Taifun ein schnelles und dabei trotzdem
sehr sparsames Reise- und Schulflugzeug dar, dessen Segelflugleistungen
unseres Erachtens die Segelflieger nicht enttäuschen werden; dessen
Sparsamkeit im Betrieb, besonders heute in einer Zeit der explodierenden
Flugbenzinpreise aber auch für Motorflieger sehr interessant sein
dürfte. Die wartungsfreie Zelle, an der es keine Korrosionsprobleme
gibt, trägt sicherlich ebenfalls dazu bei, die Taifun zu einem
im Betrieb kostengünstigen Flugzeug zu machen.
Die 17-Meter-Version der Taifun eröffnet durch gute Segelfllugleistungen
dar über hinaus die Möglichkeit, Streckensegelfluge ohne Startmannschaft
und Außenlanderisiko bei hohem Doppelsitzerkomfort durchzuführen
und die Segelflugschulung durch unproblematlische Streckenflugeinweisungen
zu erleichtern.

aerokurier:
Wann rechnet man bei Valentin mit dem Erstflug des Prototyps?
Thomas Fischer: Der erste Prototyp soll ein "Komplett-Flugzeug"
werden, mit Drei-Stellungs-Propeller, 80 PS-Triebwerk, Bugrad-Einziehfahrwerk,
Beiklappflügel und 17 Meter Spannweite. Er wird vollständig
in den Serien-Negativformen gebaut.
Mit dem Erstflug rechnen wir im JuIi 1980. Wir wollen uns die nötige
Zeit nehmen, schon beim ersten Prototyp alle Details für eine kostengünstige
Herstellung fertig zu konstruieren.
Etwa im Oktober hoffen wir, mit einem Flugzeug in der Woche die Serienproduktion
aufnehmen zu können. Für die 15-Meter-Taifun mit starrem Fahrwerk
und Verstellpropeller haben wir einen Einführungspreis von 56 000
DM vorgesehen.
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