|
Ab
dem 1.Februar.2009 reagiert kein Satellit mehr auf Alarmsignale, die
auf den Frequenzen 121,5 MHz und 243 MHz ausgestrahlt werden. Wer seine
Rettung auslösen will, bevor er vermisst wird, braucht künftig
ein ELT, das auf 406 MHz sendet.
38 Jahre sind es her, seit zwei US Kongressabgeordnete
in Alaska mit ihrem Flugzeug verschwanden. Und nie mehr zum Vorschein
kamen. Als Reaktion darauf wurden Emergency Locator Transmitter (ELT)
eingeführt, die bei einem Aufschlag oder bei Kontakt mit Wasser
automatische Peilsignale auf der internationalen Notfrequenz des Flugverkehrs,
also 121,50 MHz ausstrahlten. Als militärisches Pendant zu dieser
zivilen Notruf-Frequenz wurde die Frequenz 243 MHz bestimmt. Dies in
der Absicht, dass zufällig vorbeifliegende Flugzeuge die Notsignale
auffangen und einer geeigneten Bodenstation weitermelden. Und damit
die Retter ein verunglücktes Luftfahrzeug mit Peilgeräten
ohne Zeitverlust orten können.
Inzwischen haben sich die Mängel dieses Systems
summiert. Einerseits gibt es keine Vorschrift für Besatzungen von
Verkehrsflugzeugen, dauernd die Notfrequenz abzuhören. Anderseits
ist eine solche Dauerverpflichtung angesichts der zahlreichen Fehlalarme
auch keiner Besatzung zumutbar. Denn unliebsame Erfahrungen haben gezeigt,
dass auch elektronische Alltagsgeräte, die überhaupt nichts
mit der Fliegerei zu tun haben, Notrufe auf der Flugfrequenz auslösen.
Der Prozentsatz an Fehlalarmen wird auf nahezu 100 Prozent geschätzt.
Wer wirklich
Hilfe benötigte, konnte bis vor wenigen Jahren nur darauf hoffen,
dass sein Notsignal von einem zufällig vorbei fliegenden Luftfahrzeug
mit zufällig aktivierter Notfrequenz aufgefangen wurde. Bloss:
Eine örtliche Bestimmung der Herkunft eines empfangenen Notsignals
kann eine Besatzung auch heute nicht liefern. Sie kann bloss einer Bodenstation
melden, dass in einer bestimmten Region ein Notsignal empfangen wurde.
Satellitentechnologie
hat sich bewährt
Aufgrund der Schwachstellen dieses Notruf-Systems, begannen
Spezialisten Anfangs der 80er Jahre damit, das Cospas/Sarsat Satelliten-System
(http://www.cospas-sarsat.org)
zu entwickeln. Es ist auf den Empfang von Notrufen auf der neuen internationalen
Notruffrequenz 406 MHz ausgerichtet. Neben geostationären Satelliten
umfasst das System auch Satelliten in wechselnden Umlaufbahnen. Deren
Rotationen gewährleisten, dass ein Notruf nach spätestens
vier Stunden von einem Satellit registriert wird. Modernste Technologie
ermöglicht eine auf eine bis drei Seemeilen exakte Bestimmung der
Position des Notrufsenders, sofern dieser nicht auch gleich seine Position
zum Satelliten funkt. Die Daten werden vom Satelliten gespeichert und
bei nächster Gelegenheit einer Bodenstelle weitergegeben. Weil
beim Kauf eines 406 MHz-Notsender bestimmte Daten registriert werden,
weiss die Bodenstelle sogleich, von welchem Flugzeug oder Schiff der
Notruf stammt. Sie kann auf nützliche Daten über das Flugzeug
oder Schiff zurückgreifen und dabei unter anderem effizient abklären,
ob es sich allenfalls um einen Fehlalarm handelt.

Acht Jahre lang wurde das satellitengestützte 406 MHz - Notrufsystem
in der Praxis getestet.
Das Ergebnis: Kaum Fehlalarme und viele erfolgreiche Rettungen.
Die
Folge: Für gewerbsmässig operierende Luftfahrzeuge sind die
406 MHz-ELT`s in der Schweiz bereits seit Beginn 2005 Pflicht.
Der
Nebeneffekt: Auch die konventionellen Notruf-Frequenzen 121.5 und 243
MHz werden seit der Testphase von den Satelliten abgedeckt. Allerdings
mit markanten technischen Einschränkungen: Die örtliche Definition,
woher das Notsignal kommt, umfasst einen Kreis von rund zehn Seemeilen
– also fast 20 km. Und weil Satelliten Signale auf den konventionellen
Frequenzen nicht speichern können, müssen sie beim Empfang
eines Notrufs gleichzeitig Kontakt mit einer der weltweit gegen 50 Bodenstationen
haben, um den Notruf weiterleiten zu können. Wegen der zahlreichen
Fehlalarme warten die Rettungsstationen erst mal eine Bestätigung
des Notsignals durch einen weiteren Satelliten oder durch eine andere
Informationsquelle ab, bevor eine Rettungsaktion ausgelöst wird.
Insgesamt also ein löcheriger Satelliten-Service. Der nun per September
2009 definitiv aufgegeben wird.
Letztlich
eine Preisfrage
Für
die Halter von nicht gewerbsmässig operierenden Luftfahrzeugen
heisst dies konkret: Wer im Falle eines Unfalles Wert darauf legt, dass
nach spätestens vier Stunden eine Rettungsaktion ausgelöst
wird, sollte sich baldmöglichst ein 406 MHz-Gerät anschaffen
und von einem lizenzierten Fachbetrieb einbauen lassen. Wer vor jedem
Flug seine Flugabsichten bekannt gibt und auch daran festhält,
ist auch nach der Inaktivierung der Satellitendienste nicht schlechter
dran als heute. Sobald ein Luftfahrzeug überfällig ist, wird
es zuerst einmal von Helis und Flugzeugen gesucht. Und die werden auch
in Zukunft Notsignale auf 121.5 MHz empfangen und den Herkunftsort des
Signals orten können. Mit etwas Glück wird ein 121,5 MHz-Notsignal
sogar schneller entdeckt, als ein 406 MHz-Signal, das stundenlang in
einen satellitenlosen Himmel funkt.
ELT - Artex ME406
(Preis etwa €700,-) |
|
ELT- ACK E-01
(Preis etwa €348,-) |
Für manche Flugzeughalter dürfte es letztlich eine Preisfrage
sein: Während es heute 121 MHz-Elt`s ab 215 $ gibt, muss man für
ein 406 MHz-Elt mindestens dreimal so viel hinblättern. Dafür
sendet so ein Gerät sowohl auf 406 MHz zur Alarmierung, als auch
auf 121.5 MHz zur Feinortung. Die 406 MHz Notsender gibt für etwas
weniger Geld auch als 378 Gramm leichte „Handys“.
* Niklaus
Wächter ist Fotograf und Aviatikjournalist und schreibt auch für
die Schweizer Tagespresse. Er ist zufriedener Besitzer einer Taifun
17 E II.
|