Mainbullau
ist vielen Piloten als „Kurort“ zur Leistungssteigerung
ihrer Vögel bekannt: An dem Odenwälder Flugplatz kümmert
sich Rainer Korff seit langem um die Optimierung von Motorsegler-
und Leichtflugzeug-Motoren. Jetzt hat sein Luftfahrttechnischer Betrieb
gemeinsam mit Limbach die Zulassung des neuen L-2400 EFi abgeschlossen.
Dank elektronischer Einspritzung leistet der Vierzylinder-„Wasserboxer“
acht PS mehr als die luftgekühlte Variante.

L 2400 EFi im Taifun-Motorraum
Korff
hat einen guten Namen in der Motorseglerszene. Hier wurden die etwas
untermotorisierten Fournier RF-5 und Pützer RF-5b Sperber mit
dem 80 PS starken L-2000-Doppelvergasermotor ausgestattet. Limbachs
großen Motor, den 92 PS leistenden L-2400 EB1, hat Korff zur
Nachrüstung in der H-36 Dimona, Grob G-109A und Valentin Taifun
musterzugelassen. Das brachte ein deutlich erweitertes Einsatzspektrum
für diese relativ schweren Kunststoff-Motorsegler der „ersten
Generation“.
Mit der L-2400 EFi-Baureihe hat Limbach jetzt auf Initiative und in
Zusammenarbeit mit Korff den Schritt zur Flüssigkeitskühlung
bei Motorseglertriebwerken vollzogen. Die Motoren sind dadurch nicht
nur leiser geworden, auch die thermische Belastung bei wechselnder
Leistung und Fluggeschwindigkeit, ein Problem vieler alterer rein
luftgekühlter Antriebe, wird stark reduziert.

Dank kennfeldgesteuerter elektronischer Zünd- und Einspritzanlage
liefert der L-2400 EFi eine Startleistung von gut 100 PS bei nur 3000
Umdrehungen pro Minute. Der Drehmomentverlauf ist so günstig,
daß selbst bei 2700 Touren noch 90 PS an der Propellerwelle
ankommen. Mit diesen Werten kann man problemlos auf ein Untersetzungsgetriebe
verzichten. Das spart Geld und Verschleißteile. Und die hochfrequenten
Schwingungen, die fast alle Getriebemotoren auf Zelle und Insassen
übertragen, treten gar nicht erst auf.
Der großere Hubraum bedeutet allerdings auch etwas mehr Gewicht:
Inklusive aller Anbauteile, Öl und Kühlmittel bringt der
100-PS-Motor 91 Kilogramm auf die Waage, rund sieben Kilo mehr als
ein vergleichbar ausgestatteter Rotax 912, der 81 PS leistet.
In
Mainbullau konnten wir einen der ersten mit dem L-2400 EFi ausgestatteten
und zugelassenen Motorsegler probefliegen: die Valentin/TWI Taifun
2. Bei maximal 850 Kilo Abfluggewicht gehört diese Maschine
zu den schwersten Motorseglern überhaupt. Seinerzeit war
die Taifun sicher das beste Reiseflugzeug ihrer Klasse. Aufgrund
des hohen Gewichts und des Dreibeinfahrwerks fehlte ihr allerdings
auf kurzen Platzen oft ein wenig Power für den sicheren Start.
Ein ideales Flugzeug also, um die Leistungsfähigkeit des
neuen Motors zu demonstrieren.
Übersichtlich präsentiert sich der L-2400 EFi unter
der Verkleidung, die deutlich eleganter ist als die Cowling der
luftgekühlten Version. Aufgrund der elektronischen Zündung
und Einspritzanlage gibt es weniger Teile, die ausfallen können.
Im Cockpit einige Neuerungen: Der Schalter für die Benzinpumpen
ist neben Hauptschalter und Anlaß-Zündschloß
der wichtigste für den Betrieb des Motors. Zwei Pumpen unter
dem Bodenbrett des Copilotensitzes erzeugen den Benzindruck für
die Einspritzanlage. Sollte eine Pumpe ausfallen, springt die
zweite automatisch ein, ohne Druck läuft nichts beim Einspritzer.
Mit diesem Schalter wird der Motor auch abgestellt. |
Mit L-2400 EFi zugelassen: Valentin Taifun. Für den wassergekühlten
Boxer erhielt der Motorsegler eine neue elegantere Cowling |
Neu ist auch der Zündanlagen-Notschalter im Panel: Sollte die
Elektronik einmal „spinnen“, kann mit diesem Schalter
von der Kennfeldzündung auf ein starres Notlaufprogramm umgeschaltet
werden. Dann steht zwar nicht mehr die optimale Leistungs- und Verbrauchscharakteristik
zur Verfügung, man kommt aber noch sicher nach Hause.
Ein zweiter Bord-Akku dient ebenfalls der Sicherheit. Sollte der Haupt-Akku
mal „leergeflogen“ werden, zum Beispiel durch Generatorausfall,
bleibt der Motor nicht gleich stehen: Die automatische Umschaltung
von Zündung und Spritpumpen auf den Reserve-Akku wird mit einer
Warnlampe angezeigt. Dem Piloten bleiben dann noch 20 Minuten, um
sich einen Landeplatz zu suchen.
In der von uns geflogenen Taifun steckt ein L-2400 EFi mit Einfachzündung,
mehr ist für Motorsegler nicht erforderlich und, wie die Erfahrung
zeigt, auch nicht notwendig. Der Einbau einer Doppelzündanlage
ist von Limbach allerdings vorbereitet und auf Kundenwunsch möglich.